Tiefgründige Klangpoesie

von Redaktion

Hervorragend (((((

Wenn sich Pianisten zum Duett treffen, ist das meist ein munteres Ideen-Pingpong. Nicht so bei Vijay Iyer und Craig Taborn: Die gemeinsame Musik dieser beiden großen Jazz-Individualisten klingt, als steuere ein Gehirn und ein Gehör gleichzeitig vier Hände – wer was verantwortet, ist kaum auszumachen. Diese „flüchtigen Gedichte“ sind keine munteren Knittelverse, eher tiefgründige, vieldeutige, auch rätselhafte Klangpoesie: eine dichte, raffiniert verwobene Klaviermusik, die sich aus Jazz ebenso speist wie aus allem, was seit Schönberg und seinen Schülern in der Neuen Musik passiert ist, aber von den Konventionen und Klischees beider Genres gleich großen Abstand hält. Eine für den Zugang aus vielen Richtungen offene Musik, die 74 Minuten konzentriertes Zuhören mit einem faszinierenden Strom unverbrauchter Ideen belohnt.  run

Artikel 3 von 8