Überraschung im Akustik-Wettbewerb fürs Münchner Konzerthaus: Nicht der favorisierte Yasuhisa Toyota hat das Rennen gemacht, sondern das Büro Arup um seinen größten Konkurrenten Tateo Nakajima mit Stützpunkten in Berlin und London. Damit wurde eine spektakuläre Grundsatzentscheidung getroffen. Während Toyota für kühle, trennscharfe Akustik-Ausstattungen bekannt ist, interessiert sich Nakajima für einen warmen, runden Klang, der nicht nur aufs Hirn, sondern auch in den Bauch zielt. Er ist unter anderem verantwortlich für die Säle in Montréal und Breslau mit seinen Echokammern. Auch am hochgelobten KKL Luzern war Nakajima beteiligt.
Das Votum ist deshalb so bemerkenswert, weil sich Mariss Jansons, Chefdirigent des künftigen Hauptnutzers BR-Symphonieorchester, für Toyota ausgesprochen hatte. Andererseits schwärmt er gern von den Sälen in Wien und Amsterdam, die sich radikal unterscheiden von Toyota-Projekten wie der Hamburger Elbphilharmonie oder der 2018 eröffneten Moskauer Halle. Für Toyota ist dies ein Dämpfer. So gut wie alle neuen Hallen weltweit tragen seine Klang-Handschrift. Auch für die Sanierung des Gasteig wurde er ausgewählt und für die Interimsphilharmonie in Sendling. Was bedeutet, dass in München eine akustische Monokultur nun vermieden wird.
Intern wird betont, dass gegen den Nakajima-Sieg noch Klagen möglich seien. Offenbar befürchtet man Schritte der unterlegenen Bewerber wie beim Architektenwettbwerb zur Gasteig-Renovierung und will sich daher nicht ganz in Sicherheit wiegen. Wenn alles gut geht, so teilte Bayerns Bauministerium gestern mit, sollen im nächsten Jahr die ersten Detailplanungen fürs Konzerthaus dem Landtag vorgelegt werden.