Ob dort konstruktiv diskutiert wird, laut oder beleidigend, das würde man gern wissen. Im „stillen Kämmerlein“, so die Sprachregelung der Salzburger Osterfestspiele, soll demnächst die Zukunft des exklusiven Spektakels besprochen werden. Zwei Alphatiere stehen sich bekanntlich gegenüber, die miteinander nicht können: Christian Thielemann, künstlerischer Leiter, und Nikolaus Bachler, derzeit Intendant der Bayerischen Staatsoper, ab 2020 beim Osterfestival kaufmännischer Geschäftsführer und von 2022 an Intendant.
Thielemann, das zeigen durchgestochene Mails und Äußerungen hinter den Kulissen, will Bachler verhindern. Auch weil der Österreicher wohl deshalb verpflichtet wurde, um Kirill Petrenko und die Berliner Philharmoniker zurück an die Salzach zu holen. Wie gestern in Salzburg bekannt wurde, ist Kompromisskandidat Dominique Meyer, Noch-Chef der Wiener Staatsoper, offenbar daran gescheitert, dass er den Osterfestspielen die Eigenständigkeit nehmen und sie an eine andere Institution koppeln wollte.
Vier Jahre voraus plant das Festival. Was bedeutet: Ein möglicher Intendant Bachler bekäme es mindestens zwei Spielzeiten lang mit den Vorgaben von Thielemann und Peter Ruzicka zu tun, dem derzeitigen geschäftsführenden Intendanten. 2020 lockt Salzburg zu Ostern mit Verdis „Don Carlos“, für den Manfred Trojahn eine zwölfminütige Introduktion schreibt. Thielemann dirigiert, Vera Nemirova führt Regie. Die Titelrolle singt Yusif Eyvazof, Ehemann Anna Netrebkos. Was zeigt, dass die Produktion anders gedacht war: nicht mit Anja Harteros, sondern mit Netrebko als Elisabetta und sogar mit einem anderen Regisseur.
Und dann? Man solle sich nicht „in persönlichen Kämpfen verbrennen“, sagte Thielemann dem ORF. Noch einmal reden, diese Sprachregelung kennt man aber aus seiner Endzeit bei den Münchner Philharmoniker. Ein paar Wochen später war der Dirigent weg.