Jazz-Geheimnis

von Redaktion

Dan Weiss in der Münchner Unterfahrt

Von „guilty Pleasure“ spricht man, wenn sich jemand – vermeintlich – unter seinem Niveau amüsiert. Würde etwa Anne-Sophie Mutter bekennen, sie höre gerne André Rieu, wäre das ein klassischer Fall. Im Jazz gab es eine Zeit (die Älteren werden sich erinnern), da es ein Sakrileg war zuzugeben, dass die eigene Vorliebe keineswegs nur aus swingenden Klängen besteht, sondern durchaus ein saftiges Stück Heavy Metal oder Progrock auf den Plattenteller kommt.

Nun, da die Jazz-Puristen eine im Aussterben begriffene Spezies sind, kann jemand wie Dan Weiss, gerade zu Gast in der Münchner Unterfahrt, offen dazu stehen, dass er es gerne etwas härter mag. Auf seiner Homepage listet der 42-Jährige (Foto: Achiv), seit der Jahrtausendwende einer der umtriebigsten und gefragtesten Jazz-Drummer, unter seinen „Inselplatten“ auch solche von Led Zeppelin, Metallica oder Yes. Und diese Seite seiner musikalischen Persönlichkeit lebt er nun mit seinem Bandprojekt Starebaby aus, allerdings – und das ist das Entscheidende – gefiltert durch einen fein sensibilisierten Jazz-Intellekt.

Mit Gitarrist Ben Monder, Keyboarder Matt Mitchel und Bassist Trevor Dunn (alle ebenfalls zur Crème der New Yorker Jazz-Szene zählend) kreiert Weiss eine schubladenfreie Musik, die das Brachiale mit dem Raffinierten verschneidet. Dass die beiden längsten Stücke, wie Weiss erklärt, von Twin Peaks inspiriert wurden, ergibt Sinn: Wie David Lynchs Kultserie entwickelt auch diese Musik einen mysteriösen Sog, ohne ihr Geheimnis ganz preiszugeben. Eine bessere Rockband war in der Unterfahrt jedenfalls noch kaum zu erleben. REINHOLD UNGER

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