Herrlich unperfekt

von Redaktion

Jubel für Maite Kelly im Circus Krone

VON JÖRG HEINRICH

Kelly ohne Family – daraus ist in den letzten Jahren eine Erfolgsgeschichte im deutschen Schlager geworden. Maite Kelly (Foto: Kay Nietfeld/ dpa), mit heute 39 eines der Küken der irischen Hippie-Kapelle, feiert auch ohne Familienanschluss Solo-Triumphe. Und während die Konkurrenz mit unerbittlicher Perfektion im Schlagerkönigreich durchregiert, setzt Maite Kelly auch bei ihrem umjubelten Auftritt im Münchner Circus Krone auf den Zauber des Unperfekten. So charmant, frech und klug kann er also auch sein, der deutsche Schlager.

Hits wie bei Helene und Sprüche wie bei Barbara Schöneberger, so muss man sich den Maite-Mix vorstellen. Nur am Trapez durch die Zirkusarena fliegt sie nicht, aus logistischen Gründen. „Wir wollten mich mit vier statt mit zwei Seilen befestigen, aber das Sicherheitsamt hat den Stempel verweigert“, albert Maite Kelly – einer von vielen Gags, mit denen sie sich über ihre nicht ganz elfenhafte Figur lustig macht. Wenn sie sich beim einsatzfreudigen Tanzen von zwei Lustknaben im Dschinghis-Khan-Look umschwärmen lässt, muss sie sich danach erst mal neu sortieren und erkundigt sich: „Sind meine Haare noch dran? Egal, sind eh nicht meine.“ Falls Frau Schöneberger irgendwann nicht mehr jede deutsche Fernsehshow moderieren will: Mit Maite Kelly steht adäquater Ersatz parat.

Nach der Pause kommt sie als Astronautin im goldenen Raumanzug auf die Bühne und „düst im Sauseschritt“. Und ihre meist selbst geschriebenen Hits wie „Warum hast Du nicht Nein gesagt“ oder „Die Liebe siegt sowieso“ sind der perfekte Soundtrack für die Krone-Disco. Zur letzten Zugabe kommt Maite Kelly, beinahe wie früher Udo, in schlichter weißer Bluse auf die Bühne und singt, überaus berührend, „Liebe lohnt sich“. Die Maite, die lohnt sich aber auch.

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