Kino, das das Leben schreibt

von Redaktion

Vom 8. bis 19. Mai läuft das größte Doku-Filmfest Münchens

VON KATJA KRAFT

Natürlich soll’s ein sonniger Mai werden, bitte sehr. Aber, nun ja, vielleicht ein paar Regentropfen zwischendurch? Da freuen sich nicht nur die Landwirte, da freut sich auch Daniel Sponsel. Er leitet das Dok.fest, Münchens größtes Dokumentarfilmfest. Gestern bei der Programmvorstellung hat er eine Tabelle mit der Entwicklung der Zuschauerzahlen der vergangenen Jahre dabei. Seit 2010 ging’s steil bergauf, von 2017 bis 2018 dann nur ein geringer Anstieg. „Weil vergangenes Jahr elf Tage lang Früh-, teilweise Hochsommer war“, erinnert er sich. Als ehemaliger Radsportler weiß er, was das heißt: „Nicht nur der Sport ist extrem wetterabhängig. Nach meinem Wechsel in den Kulturbetrieb musste ich feststellen: Auch Indoor-Kultur hat mit Sonnenschein zu kämpfen.“ Wenn wir also vom 8. bis 19. Mai wieder mit Sonne satt gesegnet werden, liebe Kinofans: Vergessen Sie das Dok.fest nicht. Denn das bietet alles in einem: körperliche Abkühlung und Herzerwärmung zugleich.

159 Filme aus 51 Ländern an 20 Spielorten in ganz München – eine Reise rund um die Welt wird es heuer wieder werden. Mehr Filme sollen es dann aber auch nicht sein. Sponsel hält nichts von besonders viel, er setzt lieber auf besonders gut. „Kein Filmfest wird besser, nur weil es mehr Beiträge bietet.“

Die abendfüllenden Dokumentarfilme sind ein Abbild der Themen unserer Zeit. Wohnungsnot („Push“), die Proteste im Hambacher Forst („Die Rote Linie“), Seenotrettung („Mission Lifeline“) etwa. Herrlich komisch beginnt Noël Derneschs und Olli Waldhauers „Another Reality“: Drei Muskelprotze mit augenscheinlich arabischem Hintergrund erzählen einander von ihren Jugendträumen. Polizist wollte der eine werden. Blöderweise kamen dann seine ganzen Straftaten dazwischen. Erpressung. Körperverletzung. Überfälle. „Der Traum ist somit geplatzt“, hält einer seiner Freunde trocken fest. Als Zuschauer lacht man erst – und fragt sich dann doch, welchen Teil unser Gesellschaftssystem dazu beiträgt, dass Leute, die doch einmal Träume von einem bürgerlichen, anständigen Leben hatten, in die Unterwelt abdriften.

Nicht nur die deutsche Gesellschaft wird untersucht. Für „Digital Karma“ etwa begleiteten Francesca Scalisi und Mark Olexa eine junge Frau aus Bangladesch über mehrere Jahre. Es ist eine Geschichte des Aufbruchs, die aufzeigt, welche Perspektiven die häufig kritisierte zunehmende Digitalisierung auch bietet, gerade für Frauen in Entwicklungsländern. Und einer von 159 filmischen Beweisen, dass das Leben selbst noch immer die berührendsten Geschichten erzählt.

Vom 8. bis 19. Mai

läuft das Dok.fest München; Tickets, Spielorte und alle Infos unter www.dokfest-muenchen.de.

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