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von Redaktion

Die neue Show „Afrika! Afrika!“ am Deutschen Theater München

VON MALVE GRADINGER

„Afrika! Afrika!“ sehen, und der Alltagsstress fällt von einem ab. Es ist ein einziger Sog von Rhythmen, Klängen, Tänzen und fantastischen Kunststücken, der uns mit- und hineinzieht. Den Schwarzen Kontinent in einem Artisten-Schaufenster neu zu entdecken war – nach „Begnadete Körper“ und „Body & Soul“ in den Achtzigerjahren – wieder so eine zirkusvernarrte Idee des Allround-Künstlers André Heller. 2005 war Weltpremiere in Frankfurt. Die anschließende Tournee führte auch nach München. Jetzt ist die Show zurückgekehrt, seit 2013/14 unter der Leitung von Choreograf Georges Momboye, Hellers rechte Hand schon beim „Afrika!“-Start. Sie läuft nicht mehr im Zelt, sondern im Deutschen Theater.

Ja, die Show hat sich verändert hin zum großen, technisch perfektionierten, unseren Blick fokussierenden Bühnen-Event. Projektionen von Masken, blumigen Stoffmustern, Sandwüsten und Wasserfällen flimmern über die Rückwand. Durchgehend pulsierend ein Klangstrom von der Band, den beiden Sängern und Solo-Trommlern: Afrikas gewachsene Musik, durchaus auch westlich gefärbt. Wobei wir natürlich wissen, dass die westliche Musik wie auch der Tanz ohne afrikanische Einflüsse sehr viel blasser wäre. Stichworte: Jazz/ Jazzdance und der von Afro-Amerikanern initiierte Streetdance, an diesem Abend in Ultra-knifflig-Form geboten.

Und da ist immer wieder das Ensemble mit rhythmisch wild Arme und Beine schlenkernden traditionellen afrikanischen Tänzen. Das „Gleitmittel“ quasi für die schon ans Unwahrscheinliche grenzenden Artistik-Nummern: Türme aus Körpern, von wo weitere Körper in hochschnellenden Salti abheben – und zwar von den Knirpsen der Truppe! Diese Wunderkinder werden auch von kräftigen Partnern in Rückenlage auf senkrecht zielsicheren Beinen und Füßen in waghalsigem Dreh-Tempo herumgezwirbelt. Alles schon mal ähnlich gesehen, sicher. Aber hier wird jede Nummer getoppt, ob Bälle-Jonglage, die quasi in Überschallgeschwindigkeit optisch zu einer rasenden weißen Kette wird, ob Balance-Akt auf schwankendem Brettchen in schwindelnder Höhe oder Bau eines riesigen Vogelskeletts aus Sanddorn-Zweigen – ohne jegliche Hilfsmittel, allein mit maximaler Konzentration! Da hält man den Atem an.

Bei all dieser Hochartistik – und das ist der Gewinn der Schau – bewahren sich alle eine Natürlichkeit. Diese großartigen Körper-Darsteller von der Elfenbeinküste, dem Senegal, aus Südafrika, Tansania und, stark vertreten, aus Äthiopien, einer Hochburg der Zirkuskünste, strahlen die Freude aus, der Welt ihre Fertigkeit zeigen zu können. Die Ausbildungsbedingungen sind weniger als rosig. Viele bringen sich ihre Kunst selbst bei. „Afrika, Afrika!“ ist ein schöner Abend, aber auch ein Wachrufen für die Kraft, den Durchsetzungswillen, das unterschätzte und noch gar nicht abzuschätzende Potenzial dieses Kontinents. Man schaue sich im Münchner Haus der Kunst die aktuelle Überblicksausstellung des ghanaischen Künstlers El Anatsui an. Man erinnere sich, dass Picasso, Miró, Matisse, Vlaminck, Derain, Braque, Klee, Ernst und viele andere sich für ihre Bilder und Skulpturen Inspiration in der „art nègre“ holten. Die war zu sehen im Pariser Trocadéro und anderen ethnografischen Museen, oft Beutekunst wie die Plastiken aus Benin. Und was wäre der Jazztanz und der zeitgenössische Tanz ohne die afrikanischen „isolations“ im Bewegungsvokabular?

Weitere Vorstellungen

bis 29. April;

Karten: 089/ 55 23 44 44.

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