Verliebt in die Ehe segeln, ist nicht schwer – durchhalten dann doch sehr. Darum geht’s, auch wenn Gabriel Baryllis Titel „Sommerabend“ (2017) uns eher ayurvedische Entspannung verheißt. Österreichs Vorzeige-Theatermann – ein Renner schon 1988 sein Erstling „Butterbrot“ – inspirierte als sein eigener Regisseur die Schauspieler zu einer solchen Aus-dem-Bauch-Rasanz, die den finalen Applaus-Orkan bei der Premiere in der Münchner Komödie im Bayerischen Hof garantierte.
Im hellhölzernen, von Kletterpflanzen umrankten Gartenidyll (Hingucker von Hausherr und Ausstatter Thomas Pekny) empfangen Anna und Wilhelm Kupier – Jutta Speidel, noch hausfraulich gelassen, Daniel Friedrich schon leicht machistisch gereizt – die ihnen unbekannten Rogers, Richard Schriftsteller, Madeleine Fernsehmoderatorin. Zum Erstbeschnuppern zwecks standesgemäßer Familienerweiterung. Denn Martin, der Sohn der Rogers, und die Kupier-Tochter Marie wollen heiraten.
Der Abend im Freien scheint sanft. Schnell ist man beim Du. Aber immer mal wieder kündigt sich grollend ein Gewitter an. Achtung: Synchronizität!
Bald wird nämlich der Gesprächston schärfer, werden Sticheleien losgelassen. Bei Annas übersprudelndem Enthusiasmus über ein Buch von Richard Roger – Ralf Komorr als duldsamer, vielfach gehörnter Dichter – schießt Carin C. Tietzes Madeleine ihre Giftpfeil-Pointe ab: „Und werden Sie es auch lesen?“ Anna kontert mit pointiert sachkundigem Betasten von Madeleines Kunstbusen.
Es folgt ein Überkreuz-Fremdgeh-Quickie in Schuppen und Keller frei nach Shakespeares „Sommernachtstraum“. Darauf, und von Barylli offen zugegeben, wiederum frei nach Yasmina Rezas „Gott des Gemetzels“ (2006) ein hemmungsloser Generalaufwasch der beiden ermüdeten Ehen. Ist okay. Barylli, ein Schnellschreiber, funktioniert auch hier blendend.
Alkoholgetränkt entlarvt sich die Beziehungsverlotterung bis hin zu Wilhelms unehelichem Sohn. Großartig Daniel Friedrich, der auf seinen Sohn-Besuchen beharrt und mit seiner sarkastischen Selbstbezeichnung als „Geldautomat“ der Familie zur Gegenattacke übergeht.
Die endlich eintreffenden Kinder Marie und Martin – Sarah Elena Timpe und David Paryla als jugendliche Hoffnungsträger – stellen die großen Fragen nach dem Warum des Scheiterns. Wollen es auf jeden Fall besser machen. Das fühlt sich, ach, nach Paar-Therapeutik an. Da muss Barylli wohl noch eine Fortsetzung schreiben. Denn wie wird’s bei dem Pärchen in 30 Jahren aussehen, wenn die Verliebtheits-Droge Dopamin sich verflüchtigt hat und Berufsstress, Alltagsroutine und unterschiedlich starke Libido die Ehe ins Schleudern bringen?
Weitere Vorstellungen
bis 16. Juni; Telefon 089/ 29 16 16 33.