Radltour durch den Wilden Westen

von Redaktion

Der Berliner Künstler Mawil ist der erste Deutsche, der „Lucky Luke“ zeichnen durfte

VON MICHAEL SCHLEICHER

Als Künstler hat er zu Meister Lampe zwar eine gewisse Affinität, ein Angsthase aber ist Markus Witzel nicht. Der Comiczeichner, der seine Arbeiten mit „Mawil“ signiert, hat vor vielen Jahren den Supa-Hasi erstmals aufs Papier gebracht: In Büchern wie „Strandsafari“ (2002) oder „Das große Supa-Hasi-Album“ (2005) hat sein stets etwas überfordert wirkendes Alter Ego seitdem die absonderlichsten Abenteuer erlebt.

Dass er dennoch kein Hasenfuß ist, hat der 1976 in Ost-Berlin geborene Mawil spätestens jetzt bewiesen: Er ist der erste Deutsche, der eine Geschichte der enorm erfolgreichen Comic-Reihe „Lucky Luke“ schreiben und zeichnen durfte. Dabei begegnet er dem Mythos mit kreativem Witz. „Lucky Luke sattelt um“ ist das dritte Hommage-Album seit dem 70. Geburtstag des ewig jungen Helden, der vom Morris genannten Belgier Maurice de Bevere (1923-2001) erfunden wurde und sein erstes Abenteuer 1946 im Magazin „Spirou“ erleben durfte.

Mawils Supa-Hasi-Comics sind natürlich auch ein augenzwinkerndes Spiel mit dem Superhelden-Genre. Ebenso lustvoll wendet er sich nun der Legende des Mannes zu, „der schneller zieht als sein Schatten“: Der 42-Jährige mixt die bekannten erzählerischen Zutaten von „Lucky Luke“ – historische Anspielungen, absurde Abenteuer und Wild-West-Klischees – mit seinem lockeren Zeichenstil. Bei Mawil ist der kantige Cowboy nun viel weicher als beim Franzosen Achdé, der sich seit 2003 um die regulären Geschichten der Serie kümmert.

Außerdem hat der Berliner den Mut, Lucky Luke und seinen treuen Begleiter Jolly Jumper zu trennen. Wie der smarte Schimmel aus seiner Geschichte verschwindet, sei hier nicht verraten. Aber statt auf dem Rücken seines Pferdes findet sich der Titelheld im Sattel eines Drahtesels wieder. Für Albert Overman, der das moderne Fahrrad erfunden hat, bringt Luke das ihm bis dato unbekannte Gefährt quer durch die USA zu einem Rennen nach San Francisco. Overmans Konkurrent ist nicht der Einzige, der diese Radl-Tour durch den Wilden Westen unbedingt verhindern möchte.

Übrigens: Dass Lucky Luke in dieser Hommage nun radelt, ist kein Zufall. Mawil liebt das Velo und ist mit seinem DDR-Fabrikat der Marke Diamant schon mal bis ins Baltikum gefahren.

Mawil:

„Lucky Luke sattelt um“. Egmont, 64 S.; 7,99 / 15 Euro (Softcover/gebunden).

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