Verwechslungstragödie

von Redaktion

„Tannhäuser“-Wiederaufnahme im Nationaltheater

VON MAXIMILIAN MAIER

Das Ereignis im Münchner „Tannhäuser“ ist der Wolfram, auch in der Wiederaufnahme. Diesmal ist es Ludovic Tézier, der – wie Christian Gerhaher in der Premiere – den Abend an sich reißt. Immer größer und volumenreicher wird Téziers Stimme, die faszinierende Schönheit des Timbres bleibt. Viriler als gewohnt klingt dieser Wolfram. Kraftvoll und sehnig spannt er große Bögen, variiert nuancenreich und schafft es, ein im Tempo fast zerfaserndes Abendstern-Lied zu einem beglückenden Ende zu bringen.

Solche gallertartigen Momente, in denen Leerlauf mit Pathos, Behäbigkeit mit Innigkeit und Langsamkeit mit Getragenheit verwechselt werden, gibt es leider mehrfach im Dirigat von Simone Young, besonders auffallend im holzschnittartigen Vorspiel, in weiten Teilen des Venusbergs oder beim Sängerwettstreit. Wenn Young Tempo und Energie hineinbringt, beim Einzug der Gäste mit dem auftrumpfenden Chor der Bayerischen Staatsoper oder im majestätischen Schluss, zeigt sich, was mit dem Staatsorchester an Farbenreichtum und Wagner’scher Überwältigung möglich wäre. So schafft es Simone Young nicht genügend, das Drama musikalisch darzustellen, das szenisch nach wie vor in der zweifellos atmosphärischen und hochästhetischen Installation von Romeo Castellucci weitgehend unterbelichtet bleibt.

Elena Pankratova demonstriert als Venus, wie man auch als Hochdramatische Kantilenen singt. Klaus Florian Vogt kann noch in der Rom-Erzählung gestalten, wo viele andere schon kämpfen, Konditionsprobleme kennt er nicht. Aber der Tannhäuser wird nicht seine Rolle, sein silberhelles, knabenhaftes Timbre wirkt deplatziert, im Venusberg kommt es auch zu Intonationsschwierigkeiten.

Mit Spannung erwartet wurde die Hoffnungsträgerin im dramatischen Fach: Lise Davidsen hat einen großen Sopran mit ausreichend Metall, kann aber als Elisabeth auch – und das sind die stärksten Momente – die Stimme geschmeidig machen, wie im Mittelteil der fulminanten Hallen-Arie. Tatsächlich ein Juwel. Und es bleibt ihr und uns das alte Mantra zu wünschen: nicht zu viel, zu schwer, zu früh!

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