Der König des Klangs

von Redaktion

INTERVIEW  Alan Parsons über sein neues Album und Kollegen-Diplomatie

Alan Parsons sitzt entspannt im Rückraum des Münchner Hardrock-Cafés, im Hintergrund wuseln Frau und Kinder. Man kommt erst nicht dazu, Fragen etwa zum Album „The Secret“ zu stellen, weil der 70-Jährige selbst welche hat: zum Aufnahmegerät – älteres Modell, das findet der Technik-Fuchs amüsant.

Wie geht es einem Perfektionisten wie Ihnen, wenn heute viele Musik stark komprimiert mit dem Smartphone hören?

Na ja, es beruhigt mich ein wenig, wenn sie es wenigstens mit anständigen Kopfhörern tun. Über die Lautsprecher ist es wirklich sinnlos. Auch Laptop-Lautsprecher sind kein echtes Cricket, wie man bei uns so sagt. Ermutigend finde ich die Renaissance der Vinyl-Platte – was bedeutet, dass guter Klang für manche doch noch wichtig ist. Wer LPs anschafft, hört sie sich gewöhnlich auf einer guten Anlage mit vernünftigen Boxen an.

Wie fühlt es sich für einen Klangtüftler an, Konzerte zu geben, bei denen man ja keine totale Kontrolle hat?

Das ist natürlich der Unterschied. Man bekommt nur eine Chance, es richtig hinzubekommen. Aber ich habe mich daran gewöhnt. Ich gelte als Perfektionist, damit kann ich leben. Und auf der Bühne kann alles passieren. Es soll so perfekt wie möglich klingen, wichtig ist eben doch auch, Emotionen zu transportieren.

Sie sind ja nicht der klassische Frontmann…

Doch, ich singe immer mehr. Das gibt mir das Gefühl, mehr zur Show beizutragen, als ich es früher getan habe. Ausschlaggebend ist, dass die Band als Ganzes funktioniert. Interessant ist, dass es dem Publikum bei den Hits gar nicht wichtig ist, ob die von der Platten-Originalstimme gesungen werden. Es geht um den Song, nicht um den Sänger.

Sie haben 15 Jahre für die neue Platte gebraucht – wie kommt’s?

Ich war einfach mit allen möglichen anderen Dingen beschäftigt. Und ich wollte stilistisch ein wenig zum alten Sound zurück und habe auf  die richtigen Ideen gewartet.

Sie haben namhafte Gastsänger wie etwa Lou Gramm. Ist es einfach oder schwierig, mit solchen Leuten zu arbeiten?

Ach, man muss Lou Gramm nicht erklären, wie er singen soll. Man hilft ihm einfach bei seiner Arbeit.

Sie haben einmal erzählt, vom Beatles-Produzenten George Martin hätten Sie gelernt, geduldig und diplomatisch mit Künstlern umzugehen.

Es hilft, wenn man die Leute denken lässt, sie hätten die guten Ideen selber gehabt. Diplomatie ist schon wichtig, George Martin war darin sehr gut. Man muss die Künstler respektieren, dann respektieren sie einen auch. Man darf nie negativ argumentieren, sondern unterstützend: „Lass es uns noch einmal machen!“

Sie haben als Produzent angefangen und haben dann erst eigene Musik gemacht. Eigentlich geht es ja andersherum.

Ich bin froh, dass ich zuerst diese  Erfahrungen  mit vielen unterschiedlichen Musikern  machen  konnte: Jazzer, Rocker, klassische Musiker, Popstars. Man lernt zu erkennen, was ein Stück gut oder schlecht macht. Man filtert die schlechten Ideen heraus.

Und doch hält sich die Legende, dass Sie das Potenzial Ihrer größten Hit-Single „Eye in the Sky“ zunächst nicht erkannt haben.

Ich wollte die Arbeit daran einstellen. Mein Co-Autor Eric Woolfson hat später nie vergessen, mich immer wieder darauf hinzuweisen. Wir waren ein gutes Team, obwohl wir manchmal nur gestritten haben, um zu streiten.

Ist Ihnen eigentlich bewusst, dass Ihre Musik in Deutschland allgegenwärtig ist, auch wenn es die Menschen gar nicht wahrnehmen?

Die Titelmelodie von „Monitor“, oder? Ja, ich weiß. Und „Sirius“ ist auch so ein Stück, das jeder kennt, aber niemand weiß, dass es von mir stammt.

Das Gespräch führte Zoran Gojic.

Konzert in München

am 24. Juni im Circus Krone; Karten: 089/ 54 81 81 81.

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