Die Kunst ist reif für die Insel

von Redaktion

In diesem Sommer gibt es auf Herrenchiemsee die „Königsklasse IV“ zu entdecken

VON ANGELIKA DÜRBAUM

Es gibt viele gute Gründe, den Chiemsee zu besuchen. Für Kunstfreunde kommt in diesem Jahr noch – einmal – ein besonderer hinzu: die „Königsklasse IV“ auf der Herreninsel. Die Pinakothek der Moderne (PDM) hat wie schon im Vorjahr einige ihrer wichtigsten Neuerwerbungen, Leihgaben und bedeutende Arbeiten, die sie gerne ihrer Sammlung hinzufügen würde, in den nördlichen, Rohbau gebliebenen Flügel des Schlosses gebracht. Das Konzept dahinter: Gegenwartskunst im opulenten bayerischen Versailles zu präsentieren – vor sechs Jahren von Corinna Thierolf, PDM-Kuratorin für Kunst ab 1945, mit großer Begeisterung aus der Taufe gehoben, will neue Sichtweisen eröffnen, eine Alternative zur Museumserfahrung in den Ausstellungshallen Münchens bieten.

Neu in der „Königsklasse“ ist heuer die erste größere Präsentation in Deutschland von Werken der libanesischen Künstlerin Etel Adnan. Die kleinen, dichten, in einem Zug und ohne spätere Korrekturen geschaffenen Farbfelder bezeugen ihr „joie de vivre“ und stehen damit im Kontrast zu ihrer Arbeit als Schriftstellerin und Journalistin.

Wie schon im vergangenen Jahr erwarten die Besucher aber auch Wolfgang Laibs wohlriechende, aus Bienenwachs geformte Bodenskulpturen „Ohne Anfang und ohne Ende“. Sie stehen im Dialog mit Arnulf Rainers in den Sechzigerjahren entstandenen, oft schwarz übermalten Kreuzen. Ganz andere existenzielle Fragen wirft On Kawaras mit seinen über fünf Jahrzehnte geschaffenen Datumsbildern auf. Oder wissen Sie noch, was Sie am 6. Oktober 1992 gemacht haben?

Gleich daneben werden Kazuo Shiragas mit dem ganzen Körper gemalten, farbintensiven Gemälde gezeigt, mit denen erstmals hierzulande das Früh- und das Spätwerk gegenübergestellt wird. Und natürlich darf Dan Flavins „untitled (to you, Heiner, with admiration and affection)“ nicht fehlen – eine 16 Meter lange Installation aus Leuchtstoffröhren, eine „Barriere“ aus grünem Licht, die mit dem kargen Innenraum und der üppigen Landschaft draußen im Schlosspark eine besondere Verbindung eingeht.

„Untitled“ und sein Stifter Heiner Friedrich spielen auch in einem eigens produzierten Ausstellungsfilm eine wichtige Rolle. In dieser Produktion der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen wird deutlich, wie sich die „Königsklasse“ und das bayerische Kunst- und Kulturnetzwerk gegenseitig befruchten.

Nach der diesjährigen Präsentation ist erst einmal Schluss mit der „Königsklasse“. Sie muss bis 2022 der Landesausstellung des Hauses der Bayerischen Geschichte weichen.

Ab 11. Mai bis 3. Oktober

täglich von 9 bis 18 Uhr. Eintritt mit Schlossführung 11 Euro, nur für die Ausstellung 6 Euro.

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