Schönheit pur zelebriert

von Redaktion

Anne-Sophie Mutter mit Mozart in der Münchner Philharmonie

Kann es ein Zuviel an Schönheit geben? In den langsamen Sätzen von Mozarts Violinkonzerten schlich sich dieser Gedanke zuweilen ein, als Anne-Sophie Mutter und das Kammerorchester Wien-Berlin am Dienstag im ausverkauften Gasteig zusammen musizierten. Nur mit Blicken und ohne Dirigent verständigten sich die Star-Solistin und das vom Wiener Konzertmeister Rainer Honeck angeführte Ensemble, das in feinster dynamischer Abstimmung zum dezenten Begleiter der Mutter wurde.

Ihr bis in die höchste Lage seidig schimmernder Ton, die in Läufen und Sprüngen blitzsaubere Intonation und der musikantische Schwung im Kopfsatz des D-Dur-Konzertes KV 211 wirkten als heiterer Auftakt dieses reinen Mozart-Abends. Im folgenden Andante wie im Adagio des G-Dur-Konzertes KV 216 zelebrierten Mutter und ihre sich in subtilste Piani zurückziehenden Begleiter dann Schönheit pur.

Natürlich war das einerseits betörend, andererseits lechzte das Ohr nach ein bisschen Widerstand und freute sich, wenn die Oboe mit kernigem Ton (Adagio) in Kontakt mit der Solistin trat, die sich dem Bläsersolisten bereitwillig zuwandte. Oboen und Hörner waren es, die Farbe ins Spiel brachten – nicht zuletzt im kühneren, mit viel Spannung aufgebauten Adagio des abschließenden A-Dur-Konzertes KV 219. Das schier endloses Legato erfüllte Anne-Sophie Mutter mit Leben. Temperamentvoll stimmte sie das finale Rondo an. Schon im Rondo des G-Dur-Konzertes hatten sie und das Orchester die Freude Mozarts am überraschenden Jahrmarkts-Lied geteilt. In den Kadenzen setzte die Solistin auf Virtuosität, Struktur und intensiven Ausdruck.

Obwohl sich die Streicher-Kollegen der Wiener und Berliner Philharmoniker im von der Mutter ausgereizten Piano-Spiel extrem herunterdimmten, waren sie doch präsente Partner. Im Alleingang ließen sie Mozarts erste Symphonie KV 16 erklingen, die noch ein bisschen brav daherkommt, aber im finalen Presto schon überrumpelte. Viel Applaus, Blumen und Zugabe. GABRIELE LUSTER

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