„Meinen Kindergeburtstag“ nennt er die Sache. Und es stimmt ja: Thomas E. Bauer kann im Dorfzentrum von Blaibach anstellen, was er will. Nur dass dort, im vermeintlich windschiefen Würfel, nicht Sackhüpfen, Topfschlagen oder Wurstschnappen gespielt wird, sondern Mozart, Bach und manchmal auch Schostakowitsch. Und das Schönste: Die Party ist immer ausgebucht.
Im kommenden September feiert das Konzerthaus im idyllischen Regen-Tal unweit von Cham schon den fünften Geburtstag. Seinerzeit erregte es international Aufsehen, seit Kurzem ziert es auch eine Briefmarke der Deutschen Post. Weil ein im besten Sinne Wahnsinniger hier seine kulturpolitische Vision verwirklichte, weil avancierte Architektur auf das örtliche Flair im tiefsten Bayerischen Wald prallt und weil dies alles inklusive hervorragender Akustik für gut zwei Millionen Euro zu haben war.
Der Lohn für all diese Mühe ist auch zum Fluch geworden: Karten sind immer sofort vergriffen. Auch das Konzert an diesem Abend mit dem Hagen Quartett ist längst ausverkauft. Eines der besten Kammermusik-Ensembles führt da im 200-Plätze-Saal hautnah seine große Kunst vor. Die Balance, die Homogenität selbst in Extremsituationen ist frappierend. Schubert und Beethoven werden frenetisch beklatscht und bejubelt, auch Schostakowitsch.
Unter Stars wie den Hagens macht es Thomas E. Bauer, Veranstalter, Ermöglicher und im Hauptberuf Bariton, nicht. In dieser Saison kommen noch die Pianistin Anna Gourari oder der Stuttgarter Kammerchor, in der kommenden haben sich Mezzosopranistin Vesselina Kasarova, Bariton Bo Skovhus oder die Klavierlegende Grigorij Sokolov angesagt, Dirigent Christoph Sperring gibt ein Gesprächskonzert über die neunte Symphonie von Dvořák – gleich mehrere Termine wurden dafür angesetzt.
Das Kriterium für Bauers Programmwahl? „Alles, was mir gefällt.“ Der 48-Jährige biedert sich nicht an. Und er hat keine Lust darauf, Hochambitioniertes mit Klassik light oder U-Musik-Zuckerln auszugleichen. Keine Kompromisse also. Es funktioniert ja in Blaibach. Natürlich auch, und das weiß Bauer, weil da noch immer dieser Kontrast ist: hier das beschauliche 2000-Seelen-Dorf, das vor einiger Zeit vom Tourismus abgehängt wurde. Dort dieses Konzerthaus, das aussieht wie der Einschlag eines Bauklotz-Meteoriten und die Musikfreunde von nah und sehr fern anzieht.
„Für mich war es logisch, dass die Sache ein Erfolg wird“, sagt Thomas E. Bauer. „Ich hätte das nicht angeleiert, wenn ich nicht diese Perspektive gespürt hätte.“ Mittlerweile bietet er doppelt so viele Termine an wie im ersten Jahr des Konzerthauses, es sind rund 100. Anfangs wurden für die Karten zehn oder fünfzehn Euro verlangt, bis die Blaibacher verstanden: Wir verkaufen uns im Doppelsinn zu billig. Reich werden kann man mit der Sache trotzdem nicht. Der Manager-Bariton hat auch viel Privatgeld investiert. „Im vergangenen Jahr konnte ich für mich immerhin mit einer schwarzen Null abschließen.“
Die Nörgler der ersten Jahre sind inzwischen verstummt. Die meisten wurden vom Erfolg überzeugt, der Rest hält lieber still. Die Publikumsmischung, die Bauer anlockt, ist ein Fest für Kulturpolitiker. Einheimische, Touristen, viele sind Stammgäste. Und einige auch Sponsoren, die manchmal aus der Not zu Geldgebern wurden: Wer extra zahlt, bekommt den Konzertprospekt ein paar Tage vor der offiziellen Veröffentlichung geschickt – und kann sich daher Karten sichern. Bayreuth funktioniert nicht viel anders.
Auch das ist also das Geheimnis von Thomas E. Bauer und dem Blaibacher Konzerthaus: Übers ganze Jahr herrscht dort Festivalstimmung. Was andere in drei, vier Sommerwochen bündeln, bekommt man in Blaibach ständig. Flanieren im Dorf, Kurzwanderung oder Kulinarisches in den Gasthäusern inklusive. Und auch die Übernachtungszahlen nehmen wieder zu, ob im Schlossgasthof oder in den mit viel Liebe geführten Pensionen.