Dass man ihn „singende Föhnwelle“ nennt, damit hat Dieter Thomas Kuhn „überhaupt kein Problem“. Doch in dem 54-jährigen Tübinger steckt nicht nur der Schlager-Barde. Heute tritt er im Münchner Lustspielhaus auf: Mit „Songs from Above – The Grave Chapel Radio Show“ gedenkt er verstorbener Musikgrößen von George Harrison über Rio Reiser bis George Michael. Wir sprachen mit Kuhn über dieses Projekt.
Wer Sie nur als singende Föhnwelle kennt, erlebt heute eine Überraschung. Ist es Zeit für einen Image-Wechsel?
Nein, keine Angst, der alte Dieter Thomas existiert weiterhin. Unsere Show ist eher ein Nebenprojekt, das mal eine andere Seite und Qualität von mir zeigt.
Welche ist das?
Es ist alles außerhalb der gewohnten Show – andere Musik, anderes Outfit. Ich gehe völlig ungeschminkt und unverblümt auf die Bühne.
Wir haben Sie tatsächlich kaum erkannt…
(Lacht.) Ja, so sehe ich im richtigen Leben aus! Aber ich habe schon festgestellt, dass in der Schlagerfigur Dieter Thomas Kuhn auch viel meiner Persönlichkeit steckt. Und umgekehrt hat der ungeschminkte Kuhn in der neuen Show viel von der singenden Föhnwelle. Das kann man nicht trennen.
Wie entstand denn die Idee für diese Rock-Show?
Wir – also meine Band und ich – haben in den vergangenen Jahren immer über die dunklen Wintermonate so ein Projekt entwickelt. Meist war es eine Art Johnny-Cash-Tribut, mit dem wir regional aufgetreten sind. Vor zwei Jahren saßen wir dann vor unserer Motorradwerkstatt und haben mal wieder die Köpfe zusammengesteckt. In dem Jahr war gerade Tom Petty gestorben – und so entwickelte sich die Idee, allen Verstorbenen, die uns am Herzen liegen, mit einer Show zu huldigen.
Sie versuchen sich an Ikonen der Musikgeschichte, an Amy Winehouse etwa oder Whitney Houston. Haben Sie Sorge, diesen nicht gerecht zu werden?
Unser Anspruch war nie, die Sängerinnen und Sänger im Original zu covern. Wir versuchen das in unserem Stil mit eigenem Sound. Aber klar fragt man sich vor allem am Anfang, ob das funktioniert.
Wer singt denn zum Beispiel Whitney Houston?
Ich. Natürlich auf meine Art. Ich versuche nicht, sie zu kopieren – das wäre wohl auch vermessen.
Was singen Sie von ihr?
„I will always love you“.
Das ist schon eine Riesennummer…
Oh ja. Die Originalversion stammt übrigens von Dolly Parton – die hatte den Song ganz anders interpretiert. Und von uns gibt es noch einmal eine andere Version.
Schaffen Sie dann auch die Endsequenz mit diesem langen Ton und dieser Inbrunst?
(Lacht.) Auf eine andere Art und sicherlich nicht so wie Whitney Houston.
Sind in der Show ausschließlich Helden Ihrer Jugend verewigt?
Zum Teil. Jim Croce zum Beispiel, ein begnadeter Songwriter, der gerade 30 Jahre alt 1973 bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kam. Den habe ich geliebt! Wenn ich am Lagerfeuer Gitarre spielte, war der ein Muss. Ich habe ihn regelrecht zelebriert – und natürlich ist er jetzt in der Show.
Wird es tränenreich? Oder lustig?
Es wird ein emotionaler Abend, aber mit sehr viel Humor. Wir haben Spaß, an dem, was wir tun – und das transportieren wir. Das scheinbar vordergründige Thema Tod tritt in der Umsetzung doch sehr zurück.
Haben Sie dabei einen Lieblingssong?
Was ich mir nie vorstellen konnte, ist, mal öffentlich einen Song von David Bowie zu spielen – mein beruflicher Schwerpunkt lag halt immer woanders. Aber als wir die Titelauswahl trafen, war mir vom ersten Moment an klar, dass ich „Space Oddity“ singen möchte. Es ist nun tatsächlich das Lied, das mich in unserer Show am meisten bewegt. Weil der Bowie so ein unglaublich krasser und wandelbarer Typ war. Das war ein richtig Großer.
Wie wurden Sie musikalisch sozialisiert?
Ich weiß noch, in unserer Küche stand ein Kofferradio von Telefunken. Damit hörte meine Mutter immer Schlager. Ich hatte aber auch zwei ältere Schwestern und einen Bruder, die ganz andere Sachen hörten. Ich bin aufgewachsen mit Pink Floyd, Led Zeppelin, den Stones und auch den Beatles. Das war meine Welt und der Grund, warum ich Gitarre gelernt habe und immer eine eigene Band wollte.
Dann sind Sie im Herzen also ein Rockstar?
(Lacht.) Im Herzen und geträumt – ja! Die erste Band hatte ich schon mit 13; und wenn einen unten die Mädels anhimmeln, ist das toll. Dann wirst du 18 oder 19 Jahre und du merkst, es geht nicht weiter im Leben, dann hört der Traum vom Rockstar auf. Die Musik wurde bei mir zum Hobby. Dass bei mir die Musikkarriere ein bisschen später noch einmal losging, konnte ich nicht ahnen oder planen. Das war eine glückliche Fügung. Ein Geschenk.
Das Gespräch führte Katrin Basaran.
München-Premiere:
„The Grave Chapel Radio Show“ ist heute, 20 Uhr, im Lustspielhaus, Occamstraße 8, zu erleben; Telefon 089/ 34 49 74.