Um das kunstvolle Erzeugen von Geräuschen (oder auch Krach) geht es Jon Spencer seit Anbeginn seiner Karriere. Als Kopf der Blues Explosion arbeitet er konsequent daran, die Grenzen von Songstrukturen und Genres aufzubrechen und mit dem Instrumentarium einer reduzierten Rockkapelle die energetische Essenz aus Blues, Punk, Rock und Garage zu destillieren. Auch als Mitglied von Boss Hog, Heavy Trash, The Honeymoon Killers oder seinerzeit Pussy Galore war Spencer nicht unbedingt als Konformist aufgefallen.
So verwundert es nicht, dass auch sein Soloprojekt Jon Spencer & The Hitmakers alles andere als leisetritt: Abgehackte, wilde Songstrukturen, unerwartete Taktwechsel, krass verzerrte Gitarren und eher Rock-Konzentrate als Epen – die sich jedoch erstaunlich gut in den Gehörgang schleichen, wie am Montagabend in der rappelvollen Münchner Kranhalle zu erleben war. Vielleicht liegt es am Sound der Hitmakers, der maßgeblich durch einen alten Chevy-Tank als Schlagzeug-Kessel geprägt ist, um den herum sich Ex-Sonic-Youth- und Pussy-Galore-Drummer Bob Bert ein veritables Schrottplatz-Instrumentarium gebaut hat. Mit zwei Hämmern klopft er stoisch auf den Tank, zwei blecherne Müllkübel und eine Stoßdämpfer-Feder ein. So doppelt er Schlagzeuger M. Sords Industrial-Blues-Grooves. Für eine neue Klangfarbe im Spencer-Kosmos sorgt Sam Coomes an verschiedenen Orgeln – und als zweiter Sänger.
Dieser etwas morbide Sound à la Doors-trifft-B-Horrorfilm fügte sich gut zu Spencers ureigen gebellten, halligen und verzerrten Vokal-Attacken, die stimmlich irgendwo zwischen Elvis Presley und Johnny Bravo liegen. Bewundernswert, mit welcher Energie die vier Mittfünfziger einen gewöhnlichen Montagabend in ein Krach-Hochfest verwandeln, in dessen Rahmen Jon Spencer einmal mehr seinen Ruf als Garagenrock-Gott untermauert.