Ein Werk, das den Kompositionen Mozarts in nichts nachsteht. Große Worte von Frank Peter Zimmermann, die vielleicht nicht alle im Prinzregententheater mit Arnold Schönberg und seinem Streichertrio op. 45 in Verbindung gebracht hätten. Schließlich ist es eine Komposition, auf die man sich einlassen muss. Immerhin wurden etwa Erlebnisse eines Infarkts und der anschließenden Genesungsphase verarbeitet.
Und so schadete es wohl nicht, dass Zimmermann zu diesem sehr persönlichen Werk seine persönlichen Empfindungen mit dem Publikum teilte. Viel wichtiger aber noch war, dass er diesem Versprechen mit Antoine Tamestit und Christian Poltéra eine mustergültige Interpretation folgen ließ. Hochkonzentriert und klug auf dem schmalen Grat zwischen Resignation und Hoffnung balancierend. Oft von einem Takt auf den nächsten die Emotionen wechselnd.
Ähnliche Offenheit verlangte auch die Sichtweise des Trios auf Bachs „Goldberg-Variationen“, die man eher mit Klavier im Ohr hat – obwohl diese ursprünglich für ein Cembalo mit zwei Manualen verfasst wurden und damit auch auf dem Flügel Kompromisse fordern. Ausgehend von einer früheren Bearbeitung hatten sich Zimmermann & Co. eine eigene Version zurechtgelegt, die intensiv den Kontakt zum Original suchte, dabei aber die individuellen Klangfarben von Geige, Bratsche und Cello auszunutzen verstand.
Drei Meister ihres jeweiligen Instruments, die Bachs Klassiker virtuos übersetzten, ohne ihn zu verbiegen. Auch wenn mancher zuweilen die Wucht des Klaviers vermissen mochte, konnte man dafür so manch andere Nuance neu entdecken. TOBIAS HELL