In der komischen Pinakothek

von Redaktion

Das Museum Brandhorst feiert zehnten Geburtstag mit einer Jubiläumsausstellung

VON ALEXANDER ALTMANN

Für Bayerns Kunstminister Bernd Sibler (CSU) ist es „ein Edelstein“. Ja mehr noch: Das Museum Brandhorst sei eine „Weltmarke“, erklärte er gestern bei der Pressekonferenz. Bernhard Maaz wiederum, Generaldirektor der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, hält das Haus für „eines der spannendsten, vitalsten Museen der Gegenwartskunst“. Und als Besucher schließlich ist man überrascht, dass es das Münchner Brandhorst-Museum erst seit zehn Jahren geben soll.

Das Haus hat sich nämlich so rasch und harmonisch in die Kunstlandschaft der Stadt eingefügt, dass einem oft scheinen will, es sei immer schon da gewesen. So etwas nennt man heute gern „gelungene Integration“ – und ein Grund zum Feiern ist es auf jeden Fall. Deshalb hier gleich die wichtigste Nachricht: An diesem Wochenende gibt’s zum Jubiläum zwar nicht gerade Freibier, aber freien Eintritt für alle.

Doch damit nicht genug! Das Museum mit der allseits beliebten und gerne fotografierten Fassade aus Keramikstäben schenkt sich und uns zur Feier des zehnjährigen Bestehens eine große Geburtstagsausstellung. Die heißt „Forever Young“, und diesen selbst nicht mehr taufrischen, laut Museumsdirektor Achim Hochdörfer „bewusst unterhaltsam gewählten“ Titel darf man natürlich trotzdem programmatisch verstehen: Als Museum für Gegenwartskunst muss „das Brandhorst“ immer am Ball bleiben, um die jeweils neuen künstlerischen Positionen nicht nur im Blick, sondern auch in der eigenen Sammlung zu haben.

Möglich ist das dank der guten finanziellen Ausstattung durch die Udo und Annette Brandhorst Stiftung, und so konnte das Museum seinen Sammlungsbestand von 700 Werken, mit dem es 2009 startete, im Lauf der vergangenen zehn Jahre auf gut 1200 Werke vergrößern. Einen Teil der bisher noch nicht gezeigten Neuerwerbungen präsentiert das Brandhorst-Museum jetzt in der angenehm süffigen, 250 Exponate umfassenden Jubiläumsausstellung zusammen mit altvertrauten Schätzen.

Zu letzteren gehört natürlich der „Lepanto“-Zyklus von Cy Twombly im Obergeschoss, um und für den, wenn man so will, das Brandhorst-Museum ja als passgenauer Ideal- und Sakralraum herumgebaut ist. Wenn der Lepanto-Saal in den vergangenen zehn Jahren nichts von seiner atmosphärischen Kraft eingebüßt hat und bei jedem Besuch aufs Neue fasziniert, dann spricht das einmal mehr auch für die Architektur von Sauerbruch Hutton.

Dass Ausstellungskuratorin Patrizia Dander Humor hat, zeigt sich gleich im ersten Saal des Rundgangs, wo mit Werken von Andy Warhol in „Petersburger Hängung“ (also übereinander) eine ganze Wand gepflastert ist. Ein ironischer Reflex auf den Eindruck des Beliebigen, den die Werke des Pop-Art-Stars heute gern erzeugen, weil viele private und öffentliche Sammlungen keinen Mangel an ihnen haben. Dabei übersieht man leicht, dass das Gefühl, einem Allerwelts-Sammelsurium gegenüberzustehen, ja schon im Konzept dieser Kunstrichtung der Sechzigerjahre vorprogrammiert ist, die ganz bewusst die vertrauten Oberflächen-Eindrücke der Konsum- und Glamourwelt potenziert.

Abgründiger wird’s naturgemäß im Untergeschoss, wo man auf Mike Kelleys Riesenmobile aus zusammengeballten Plüschtieren trifft, und richtig gruselig ist ein Objekt des Künstlerinnenduos Kaya: Auf einer Metallbahre, von der schwarze Riemen zum Festschnallen herunterbaumeln, liegt unter farbverschmierten Plastikplanen etwas, das, so weit man es sieht, ein ausgehöhlter, „ausgebrannter“ Körper sein dürfte. Aber schließlich geht es in dieser Abteilung der Schau ja auch um „Subjektivität im Spätkapitalismus“ und, laut Kuratorin Dander, um die Widerspiegelung einer „bis in die privatesten Bereiche durchkapitalisierten Gesellschaft“.

So gefährlich das auch klingen mag – Angst muss man trotzdem nicht haben, dass das durchkapitalisierte Museum Brandhorst ein heimlicher Hort der Subversion ist. Die wunderbar süffige Jubiläumsausstellung zeigt es vielmehr als Hochburg von Jux und Dollerei im allerbesten Sinne. Denn viele der Exponate sind so herrlich witzig, dass man sich fast fragt, ob München hier nicht schon seine ersehnte „Komische Pinakothek“ hat. Die glasierten Keramik-Gespenster und -Schneemänner von Josh Smith beispielsweise dürften bei vielen Besuchern für Heiterkeit sorgen. Und die ist zum Geburtstag ja auch angebracht. In diesem Sinne: Herzlichen Glückwunsch!

Bis April 2020,

Dienstag bis Sonntag 10 bis 18 Uhr, Do. bis 20 Uhr;

Theresienstraße 35;

www.museum-brandhorst.de.

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