Auf dem Vulkan wird getanzt

von Redaktion

Murnau präsentiert das Programm der Horváth-Tage im Herbst

VON SILKE JANDRETZKI

Hier hat er die längste Zeit seines Lebens verbracht, hier wird er alle drei Jahre wieder gefeiert: Ödön von Horváth (1901-1938) ist ein Pfund, mit dem Murnau wuchern kann. Die Horváth-Gesellschaft bietet ihm vom 8. bis 17. November wieder eine große Bühne: ein mittlerweile etabliertes Festival, das in schöner Regelmäßigkeit mit großen Namen aufwartet – Prominenz, die gerne kommt, der Horváth ein Anliegen ist.

Die 8. Horváth-Tage unter dem Titel „Tanz auf dem Vulkan“ greifen die wilden Zwanzigerjahre auf – und schlagen eine Brücke in die Gegenwart. „Wir glauben, dass deutliche Parallelen zu erkennen sind zwischen den letzten Jahren der Weimarer Republik und gerade“, sagt der Künstlerische Leiter Georg Büttel bei der Vorstellung des Programms. Alles sei fragwürdig: Was ist Wahrheit, was Lüge? „Jede Ideologie versucht, sich Bahn zu brechen.“ Die zwei Theater-Attraktionen drehen sich um die explosive soziale und politische Lage gegen Ende der Weimarer Republik, die Suche nach schnellem Sex und dem Wunsch nach wahrer Liebe: die Neufassung von Horváths „36 Stunden“, das in München spielt, sowie „Der Gang vor die Hunde“, eine Dramatisierung der Urfassung von Erich Kästners Großstadtroman „Fabian“. Hier würden „die Mentalitäts- und Schreibunterschiede beider Autoren deutlich“, sagt Büttel. Eine literarische Revue gestalten Michael Grimm und Burg-Schauspielerin Birgit Minichmayr. Christoph Süß moderiert den Eröffnungsabend mit der Verleihung des Horváth-Preises sowie eines Förderpreises.

Horváth verbrachte zehn Jahre in Murnau. Der Ort und seine Menschen boten ihm jede Menge Stoff – und umgekehrt schöpfen die Macher der Horváth-Tage heute aus einem riesigen Reservoir, das der Dramatiker hinterlassen hat. Mit dem Festival wolle man „die Lebendigkeit dieses Autors feiern“, sagt die Vorsitzende der Horváth-Gesellschaft, Gabi Rudnicki. Und das soll mit eigenem Stil geschehen, mit einem Hang zum Besonderen. Man buche nicht irgendjemanden, der auch mal etwas von Horváth, dessen Werk ungebrochene Aktualität besitzt, auf die Bühne gebracht habe. „Wir versuchen, an Leute gezielt heranzutreten und zu bitten, etwas für dieses Festival zu konzipieren“, sagt Büttel. Dass Murnau neben München und Wien heute als „Horváth-Zentrum“ wahrgenommen werde, sei „Ergebnis dieser Arbeit“. Murnau, findet Büttel, sei „ganz klar auf die Horváth-Landkarte gekommen“.

Weitere Informationen

online unter www.horvath-gesellschaft.de.

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