Dass Richard Strauss es mit Tenören nicht allzu gut meinte, dürfte Opernfreunden bekannt sein. Als Sopran allerdings darf man sich bei ihm im siebten Himmel fühlen. Und dies galt nun ebenso für das Publikum im Prinzregententheater, wo Krassimira Stoyanova beim letzten Sonntagskonzert der Saison die Bühne in Besitz nahm, um an den 70. Todestag des Komponisten zu erinnern. Die Bulgarin, die mit Verdi und Puccini groß wurde, verfügt über eine nahezu ideale Strauss-Stimme. Warm timbriert in der Mittellage, aber dennoch mit genügend Substanz in der Tiefe für die große Szene der Ariadne. Den Abstieg ins „Totenreich“ muss sich manche Kollegin erschwindeln. Doch Stoyanova meisterte den heiklen Moment ebenso sicher wie den folgenden Aufschwung in höchste Sopranhöhen, wo sie ihre Stimme silbrig glänzend über dem kammermusikalisch filigran aufspielenden Rundfunkorchester schweben ließ.
Mustergültig auch die Ausschnitte aus dem „Rosenkavalier“, bei dem ihr mit Violetta Radomirska ein routinierter Octavian zur Seite stand. Makellos vor allem die Textbehandlung der beiden großen Monologe, bei denen Stoyanovas intensive Bühnenerfahrung als Marschallin in jeder Silbe zu spüren war.
Als Blick in eine mögliche Zukunft präsentierte sich hingegen das kurzfristig ins Programm genommene „Capriccio“-Finale. Wobei der hierin ausgefochtene Streit zwischen Text und Musik an diesem Abend zuweilen noch zugunsten des Wohlklangs ausfiel. Und das, obwohl Dirigent Ivan Repušić seinen Musikerinnen und Musikern nun deutlich differenziertere Töne entlockte als noch beim etwas hausbackenen Auftakt mit den symphonischen Zwischenspielen aus „Intermezzo“ und der effektvollen, manchmal aber auch allzu effekthaschenden „Rosenkavalier“-Suite.