„Hilary Hahn plays Bach“ hieß die erste CD-Aufnahme, mit der sich die US-Geigerin 1997 in den Olymp der Interpreten katapultierte. Fast 20 Jahre später bietet sie beim Gastspiel im Prinzregententheater wieder Bach, genauer: zwei Sonaten und eine Partita. Auch in ihren Konzerten ist Hilary Hahn (Foto: Archiv) mit perfekten Interpretationen zu erleben, wie man sie eher von CDs kennt, wie sie live aber selten zu hören sind.
Diese trübungs- und reibungsfreie Perfektion ist das hervorstechende Merkmal der Ausnahmegeigerin. Es besteht kein Zweifel, dass wohl kaum jemand Bachs Werke für Solo-Violine in dieser Qualität und ohne den kleinsten Wackler spielt. Auf die langsam erblühende, sich dann kunstvoll verzahnende und am Ende virtuos perlende Sonate Nr. 2 folgt die Partita Nr. 3 mit rasenden Repetitionen und barock stilisierten Tänzen. Nach der Pause wartet die Sonate Nr. 3 mit der Mammutfuge im zweiten Satz, die nicht nur eine Sternstunde polyphoner Komponierkunst ist, sondern auch Höhepunkt von Hilary Hahns makellosem Auftritt. Diese Solistin verkörpert mit ihrer enormen Kontrolle über Instrument und musikalische Affekte ein fast unzeitgemäßes Ideal.
Ihr Spiel ist eine Art Goldener Schnitt der Geigenkunst, die sich der Perfektion bar aller menschlichen Makel anzunähern scheint. Hilary Hahn mag kein extrem temperamentvoller Typ sein, aber sie zelebriert einen perfekten Auftritt, der sich im Zeitalter der Eventisierung erfrischend von vielem anderen absetzt. ANNA SCHÜRMER