Der eine hatte die Stars, der andere das Können. Sehr verkürzt ist das formuliert, birgt aber ein paar Körnchen Wahrheit. Nicola Antonio Porpora zog im London der 1730er-Jahre die Super-Kastraten Senesino und Farinelli in seine Kompanie, während Georg Friedrich Händels Konkurrenzhaus in Schlingern geriet. Eine Ahnung von dieser Rivalität vermitteln heuer Salzburgs Pfingstfestspiele; man spielte Porporas „Polifemo“ knapp 24 Stunden nach „Alcina“ (siehe oben).
Händels Konkurrent verschränkte zwei Mythen: die des Schäfers Aci und seiner geliebten Nymphe Galatea sowie die Mär von Ulisse, der Kidnapper Polifemo das Auge aussticht. Was gut passt, hatte der sein einziges zyklopisches Sehorgan doch auf Galatea geworfen. Das hakt in der Dramaturgie, hebt aber musikalisch mehrfach ab. Einfach, weil Porpora, der legendäre Gesangslehrer, seinen Promi-Schützlingen Herrliches für die Barock-Auslage schrieb. Und weil dafür in der Felsenreitschule die Bestbesetzung gebucht wurde.
Countertenor Max Emanuel Cencic, in der Senesino-Rolle des Ulisse mit samtiger Dramatik unterwegs, besorgte selbst ein halbszenisches, tragikomisches Arrangement auf Insel-Fleck mit Fels-Findlingen (Bühne: Margit Ann Berger). Die Reduktion funktioniert, weil er und die Kollegen gestisches Singen beherrschen: Sopranistin Julia Lezhneva (Galatea) und Wunder-Counter Yuriy Mynenko in der Farinelli-Partie des Aci sind ein Traumpaar. Zwischen überirdischen Lyrismen und Turbo-Verzierungen gibt es jedwede Abstufungen. Pavel Kudinov (Polifemo), Sonja Runje (Calipso) und Dilyara Idrisova (Nerea) halten gut mit. George Petrou und sein Orchester Armonia Aetenea dribbeln dazu aufgekratzt durch den Dreistünder. Ovationen. MARKUS THIEL