Das Geheimnis des Rock’n’Roll

von Redaktion

Ritchie Blackmore über Drogen, Gitarren und Manager im Musikzirkus

Ritchie Blackmore, legendärer Gitarrist von Deep Purple und Rainbow, scheint wieder mehr Spaß am Rock’n’Roll zu haben. Sonst ist er in Sachen mittelalterlicher Musik mit seiner Frau Candice und der Band Blackmore’s Night unterwegs, doch bereits seit vergangenem Jahr ist er wieder mit Rainbow auf Tour. Heute Abend tritt der 74-Jährige in der Münchner Olympiahalle auf. Wir stellten dem Gitarristen vorab ein paar Fragen, die er meist mit britischer Ironie beantwortete.

War die jüngste Rainbow-Tour so erfolgreich, dass Sie wieder vorbeischauen?

Natürlich. Das ist mir zu Kopf gestiegen, und wir müssen jetzt mehr Shows machen, um endlich Geld zu verdienen. Aber im Ernst, ich liebe es, ein paar Konzerte zu spielen und mich dann zu etwas ganz anderem zu bewegen.

Meist sind Sie ja mit Ihrer Frau und Blackmore’s Night unterwegs. Der Wechsel von Mittelalter-Musik zu Rock’n’Roll ist schwierig, oder?

Na ja, das ist schon alleine von der Spieltechnik ganz anders. Bei Rainbow spiele ich mit einem Plektrum, bei Blackmore’s Night mit den Fingern. Da muss ich mir wieder die Nägel wachsen lassen. Wenn die Abstände zwischen den verschiedenen Programmen allerdings zu kurz sind, klappt das nicht mehr. (Lacht.)

Ist die Spieltechnik der einzige Unterschied?

Die ganze Attitüde ist natürlich eine andere. Beim Rock’n’Roll verlässt du dich auf deinen Verstärker. Da kannst du die Töne ewig stehen lassen. Bei Blackmore’s Night geht das nicht. Da spielt man ganz clean. Da kann man nicht einfach einen Akkord schlagen, ewig im Raum stehen lassen und denken: Mann, klingt das gut. Mit der akustischen Gitarre funktioniert das nicht. Rock ist laut, und für die Leute bedeutet laut gleich aufregend. Das ist das ganze Geheimnis vom Rock’n’Roll. Früher klang die Musik immer ein wenig gedämpft aus dem Radio. Dann kam Elvis Presley, sang laute Lieder, die man den ganzen Tag mitträllern konnte, und jeder vergaß seinen Alltag.

Die Rückkehr zum Rock von Rainbow ist also einfacher?

Am Anfang einer Tour ist das noch recht steif. Das sind ja so viele Lieder, an die man sich erinnern muss. Wir haben dieses Mal nur drei Tage für die Proben angesetzt. Und da die Sänger oftmals wechseln, müssen die Lieder auch so arrangiert werden, dass der jeweilige Vokalist damit klarkommt. Kaum einer singt etwa in der Stimmlage eines Ronnie James Dio. Da muss ich dann schon immer nachdenken, in welcher Tonart wir das Lied jetzt gerade spielen.

Schmeißen die Sänger hin, weil Sie sich oft streiten?

(Ironisch.) Klar, die werden immer unangenehm, wenn man sie nicht bezahlt. Die erwarten immer, bezahlt zu werden. Aber wir wurden in unseren Anfangstagen ja auch nicht bezahlt. So ab 1975 kam langsam Geld herein, aber es gab immer Leute, die unser Geld stahlen. Manager vergessen leider zu oft, dass es sich nicht um ihr Geld handelt, mit dem sie hantieren. Ehrlich: In den ersten Jahren haben wir mehr Geld ausgegeben, um zum Spielort zu gelangen, als wir Gage bekommen haben. Zum Glück hat mich meine Mutter unterstützt.

Der Streit mit Managern ist eine Art roter Faden in der Geschichte des Rock‘n’Roll.

Viele Bands hatten die gleichen Probleme wie wir. Erst vor zwei Wochen haben wir als Deep Purple vor Gericht einen Fall gewonnen und endlich das Geld bekommen, das man uns noch in den Siebzigern schuldig geblieben war.

Ein anderer roter Faden sind die Drogen. Es heißt aber, dass Sie sich stets von härteren Drogen ferngehalten hätten.

Es wird auch erzählt, ich hätte grundsätzlich etwas gegen Leute in der Band, die Drogen nehmen. Aber darum geht es nicht. Bei Deep Purple wurden Drogen genommen. Solange die Leute auf der Bühne spielen können, ist es mir völlig egal. Wenn es aber der Musik schadet, dann sage ich: „Stopp!“ Meine Droge ist halt der Whiskey. Vor Shows bin ich nervös, da helfen ein paar Schluck Whiskey.

Das Gespräch führte Antonio Seidemann.

Konzert:

Ritchie Blackmore’s Rainbow spielen heute um 20 Uhr in der Münchner Olympiahalle; Restkarten an der Abendkasse.

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