Infames Dinner

von Redaktion

„Fisch zu viert“ im Blutenburg-Theater

VON MALVE GRADINGER

Es muss nicht immer ein Brit-Krimi sein. Mit „Fisch zu viert“ servierte das Münchner Blutenburgtheater soeben ein mörderisch köstliches Sommermenü von Wolfgang Kohlhaase und Rita Zimmer. Kohlhaase gilt nicht umsonst als einer der wichtigsten deutschen Drehbuchautoren. Dieses infame Fisch-Dinner, 1970 in Dresden uraufgeführt, im selben Jahr verfilmt, erlaubt in Konrad Adams leichthändiger Inszenierung dem Theater-Voyeur die heiter-heilsame kathartische Entladung von allzu menschlichem Rachedurst.

Rudolf hüstelt, er ist ausgelaugt. Seit dreißig Jahren steht er in Diensten der drei ledigen Heckendorf-Brauerei-Erbinnen – auch in horizontaler Lage. Jetzt, auf dem entspannten Sommersitz in der Mark Brandenburg – sehr hübsch Peter Schultzes pastellfarben ausgeleuchtetes Gartenidyll – will er kündigen und bittet um vorzeitige Auszahlung der ihm versprochenen Erbschaft. Geld vorab!? Das Trio: beinhart. Dahin also sein Traum von Rentier-Ruhe und Weltreise?

Man ahnt, ja wünscht sich Wehrhaftigkeit. Tatsächlich zückt Rudolf seine Waffe: Da jede der übrigens nicht mehr ganz taufrischen Heckendorf-Grazien sich allein Objekt von Rudolfs Begierde wähnt, droht dieser jetzt seinen dreifachen Schäferstündchendienst öffentlich zu machen. Ha! Wie nun Markus Fishers Rudolf mit der devoten Allüre eines Molière’schen Schlitzohrs sich die Damen einzeln vornimmt – Ute Pauer, Sacha Holzheimer und Petra Wintersteller als hartgesottene „Trias infernal“ –, wie er den sprachwitzigen Text mit frankophiler Eleganz moduliert, ist die „Crème brûlée“ des Abends. Aber es wird ja noch, dank Regie, in Spätlese-Nostalgie geflirtet, gesungen, getanzt, Gift in Likör geträufelt und – der von Rudolf liebevoll zubereitete deliziöse Fisch serviert…

Weitere Vorstellungen

bis 20. Juli sowie von 20. August bis 28. September; Telefon 089/ 123 43 00.

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