Welches ist die beste „Salome“-Aufnahme? Die Entscheidung fällt angesichts der Fülle schwer. Wer seine Lautsprecher dem ultimativen Orchesterfest und mühelos- stählernen Soprantönen aussetzen möchte, der ist bei der Referenzeinspielung mit Birgit Nilsson als Titelheldin und den Wiener Philharmonikern unter Georg Solti am besten aufgehoben (Decca) – erst recht wegen höchstkarätiger Kollegen wie Gerhard Stolze (Herodes) und Eberhard Wächter (Jochanaan). Eine sehr gute Alternative ist die Aufnahme mit der salonschlangigen Stilistin Inga Nielsen als Prinzessin und dem Dänischen Radio-Symphonieorchester unter Michael Schönwandt – Anja Silja, einst selbst eine gefeierte Salome, ist hier als Herodias zu erleben (Chandos). Eine der legendärsten Salomes war Inge Borkh. Ihre Interpretation war ein vulkanisches, grenzüberschreitendes Gesamtkunstwerk, das man eigentlich auch gesehen haben muss. Die CD-Einspielung mit Joseph Keilberth am Pult des Bayerischen Staatsorchesters vermittelt immerhin eine Ahnung davon (Orfeo). th