Game of Thrones

von Redaktion

Barrie Kosky inszeniert für das Prinzregententheater Händels Intrigantenstadl „Agrippina“

Italien tat ihm gut, mehr noch: So experimentierlustig, so radikal, manchmal fast rücksichtslos Sängern und Instrumentalisten gegenüber komponierte Georg Friedrich Händel später nie wieder. Das wahnwitzige „Dixit Dominus“ ist eine Frucht dieser Zeit, aber auch die Oper „Agrippina“, am zweiten Weihnachtsfeiertag 1709 in Venedig uraufgeführt.

Der Stoff bietet ja auch genügend Gelegenheit zum Austoben: Im Zentrum des Stücks steht die machthungrige Agrippina, die nach dem angeblichen Tod ihres Mannes Claudio den Sohn Nero auf den römischen Thron bringen will. Als Claudio wieder auftaucht, entspinnt sich eine Intrigengeschichte, die für mindestens eine TV-Serienstaffel reichen würde.

Mit der Neuproduktion von „Agrippina“ im Prinzregententheater (Premiere am 23. Juli) besinnt sich die Bayerische Staatsoper auf ihre Händel-Tradition, die Mitte der Neunzigerjahre in der Intendanten-Ära von Peter Jonas begann. Aus dieser Zeit herübergerettet hat sich Dirigent Ivor Bolton, der für die musikalische Vorklassik zu einer Art Hausdirigent wurde und das Staatsorchester mit der historisch informierten Spielpraxis vertraut machte.

Im Regiestuhl sitzt Barrie Kosky, der 2022 den Intendantenposten an der Komischen Oper aufgeben, Berlin aber nicht verlassen wird – bis 2027 bleibt er dort Hausregisseur. Kosky war bekanntlich ein heißer Kandidat für die Intendanz an der Bayerischen Staatsoper. Nach langer Überlegung gab er den Bayern einen Korb.

Als Agrippina wird Mezzosopranistin Alice Coote zu erleben sein. Für die Rolle des Nero wird der derzeit wohl beste Countertenor aufgeboten: Franco Fagioli bekommt endlich eine Hauptpartie in München. Ein Debütant ist Bassist Gianluca Buratto als Claudio. Der Italiener zählt unter anderem zu den bevorzugten Solisten von John Eliot Gardiner – was nur als Auszeichnung gewertet werden kann. MARKUS THIEL

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