Ein Füllhorn Poesie

von Redaktion

Eröffnung des Strauss-Festivals in Garmisch-Partenkirchen

„Poesie“ ist in diesem Jahr das Motto des Richard-Strauss-Festivals in Garmisch-Partenkirchen. Gleich ein ganzes Füllhorn davon schüttete die Salzburger Camerata mit ihrem Konzertmeister Gregory Ahss sowie dem Oboisten und Dirigenten François Leleux beim Eröffnungskonzert aus. Mangels eines akustisch geeigneten Konzertsaals fand es in der Aula des örtlichen Werdenfels-Gymnasiums statt. Ein Raum, der für Kammermusik gut geeignet ist.

Höhepunkt war ohne Zweifel die Interpretation des Konzerts in D-Dur für Oboe und kleines Orchester von Richard Strauss. Dieses Spätwerk, entstanden nach dem Zweiten Weltkrieg, lässt – in eleganter Leichtigkeit und klanglicher Durchsichtigkeit geschrieben – nichts vom sorgenvollen Leben dieser Zeit erkennen. Nach dem zuvor entstandenen, trauervollen Streicherstück „Metamorphosen“ schöpfte Strauss wieder Hoffnung. Er spielte im Oboen-Konzert mit vielem, was er schon einmal erprobt hatte. Und das in schöner Einfachheit. Genau dieses Gefühls- und Melodienspektrum gab Leleux mit weichem Ton wieder und berührte so die Seelen seiner Zuhörer. Die technisch schwierigen Anforderungen gelangen ihm mühelos, das Orchester, das er zwischendurch dirigierte, folgte ihm in allen Nuancen. Eine Interpretation, der sich niemand entziehen konnte. Die Beifallsstürme wurden mit einem Ausschnitt aus Glucks „Orpheus“ als Zugabe honoriert.

Begonnen hatte der Abend mit dem Konzert in Es-Dur für Kammerorchester „Dumbarton Oaks“ von Igor Strawinsky. Poesie im Duktus der Brandenburgischen Konzerte von Johann Sebastian Bach, vermischt mit amerikanischen Jazz-Klängen in der Handschrift Strawinskys durfte das Publikum dabei erleben. Schon hier steigerte die Spielfreude der österreichischen Musiker, die ihrem Konzertmeister auf den Wimpernschlag genau folgten, die Vorfreude auf die kommenden Werke. Nach Strauss erklang Arnold Schönbergs „Verklärte Nacht“ in der Fassung für Streichorchester. Auch damit gelang es dem Salzburger Ensemble, Stimmungen zu zaubern, intensiv das zarteste Pianissimo zu spielen und Soli über dem Tutti schweben zu lassen. Poesie eben. MARGOT SCHÄFER

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