Für ekstatische Partymusik war das Alan Parsons Project nie bekannt – aber 2019 ist es tatsächlich so weit: Die Formation rund um den Briten Alan Parsons bringt das Publikum im fast restlos ausverkauften Münchner Circus Krone dazu, aufzustehen und rhythmisch zu Songs zu klatschen. Selbstverständlich geht das gar nicht, denn Progressive Rock war seit jeher eine Angelegenheit für abgedunkelte Keller, in denen die semi-depressive Jugend der Trübsal der Postmoderne huldigte. Nun aber: gute Laune bei Alan Parsons, der immer schon etwas eingängiger daherkam als seine Weggefährten. Stücke wie „Don’t answer me“ oder „Eye in the Sky“ sind letztlich reinster Pop, und Parsons ist das natürlich bewusst – der 70-Jährige hat seine Karriere schließlich als Tontechniker bei den Beatles begonnen und weiß also, was ankommt.
Ein Bühnentier wird er in diesem Leben mutmaßlich aber nicht mehr – entspannt, aber leicht distanziert thront Parsons auf einem Barhocker über der Band und bearbeitet wahlweise seine akustische Gitarre oder den Computer. Ab und an singt er auch, was die Profi-Sänger P. J. Olson und Todd Cooper duldsam über sich ergehen lassen. Die beiden meistern es ansonsten recht ansehnlich, gegen die perfektionistische Arrangements anzusingen.
Der Meister gibt mit seinen Liedern der durchaus versierten Band wenig Möglichkeiten, aus sich herauszugehen, sieht man einmal von Schlagzeuger Danny Thompson ab, der binnen kürzester Zeit schweißgetränkt in Tempi-Wechseln schwelgt, und von Bassist Guy Brez, der die vertrackten Rhythmus-Spuren lustvoll vorantreibt. Der Klang geht vor, so weit das live eben geht. Das ist Parsons immer wichtig gewesen.
Im Vorprogramm lässt er, mutmaßlich Ausdruck spleenigen Humors, den Magier Enigma auftreten, der selbstironisch Zauberer persifliert, weil es auf Parsons’ neuem Album „The Secret“ ja um Magie gehen soll. Auf den Zuruf aus dem Saal „Alter Trick“ pariert Enigma geistesgewärtig: „Freilich ist des uralt – aber was wuist machen?“ Bei Alan Parsons ist es genauso: Das ist Musik von gestern, aber man hört es halt gern. Was wuist machen?