Sagen wir so: Das mit der Verteidigung hat Münchens Oberbürgermeister drauf. Eigentlich hätte Dieter Reiter nach seiner Willkommensrede gestern Abend zum Start des Filmfests München den Kinosaal verlassen können – wie „The Art of Self-Defense“ funktioniert, so der Titel des Eröffnungsfilms, hatte er da nämlich bereits locker-flockig vorgeführt.
Ausgerechnet am gestrigen Eröffnungstag hatte Bayerns Digitalministerin Judith Gerlach in einem „Bild“-Interview vor dem Aus des Filmfests gewarnt. Der Vorwurf: „Die Stadt München riskiert, dass das Fest an Strahlkraft verliert“, weil sie zu wenig Mittel zuschieße und noch immer kein Standort für ein Festivalzentrum geschaffen sei. Obwohl der Gasteig ab 2021 wegen der anstehenden Sanierung nicht mehr genutzt werden könne.
„Diese Einschätzung kann ich Gott sei Dank nicht teilen. Das Filmfest steht nicht vor dem Aus. Das verspreche ich Ihnen“, verkündet Reiter in seiner mündlichen Replik. Und fügt dann süffisant hinzu: „Das Programm in diesem Jahr kann sich im wahrsten Sinne des Wortes sehen lassen. Apropos ,sehen lassen‘, das kann ich jedem empfehlen – auch aus Aschaffenburg“, der Wohnort der Ministerin.
Mit einem betont herzlichen Dank an das Filmfest-Team um Chefin Diana Iljine bittet Reiter darum, die Diskussion nun wieder in die dafür zuständigen Gremien zu verlegen – und nicht über die Medien zu führen. Großer Applaus im Publikum. Denn für die nächsten neun Tage soll nicht Politik sondern das cineastische Vergnügen im Mittelpunkt stehen.
Der Film über die Kunst der Selbstverteidigung vom US-Amerikaner Riley Stearns ist dafür der perfekte Auftakt. Der Regisseur und sein Hauptdarsteller Jesse Eisenberg sind zur Premiere nach München gekommen. Wie bis zum 7. Juli so einige Stars durch die Stadt flanieren werden. Regisseur Bong Joon-ho zum Beispiel, dem eine Retrospektive gewidmet ist. Die war lange vor seinem diesjährigen Gewinn der Goldenen Palme in Cannes ausgemacht. Schon mehrere Male war Bong in München beim Fest zu Gast. Auch das ein Beweis für das gute Gespür der Verantwortlichen für das, was ankommt. Ein Aus des Filmfests? An diesem Abend fühlt es sich an wie ein sommerlich-süßer Beginn.