Es gibt sicher überwältigendere Aufführungen der „Salome“, schwülere, blutrünstigere, kulinarischere, aber kaum sublimere: Wohl das war der Grund, warum die Premiere der Strauss-Oper gestern Abend zur Eröffnung der Münchner Opernfestspiele auf ein so geteiltes Echo stieß. Regisseur Krzysztof Warlikowski, der auch mit Buh-Rufen abgestraft wurde, lässt alles in einer Bibliothek in den Vierzigerjahren spielen, in der sich eine Gruppe von Juden verschanzt hat – und am Ende Suizid begeht.
Eine bedrohte Welt im Umbruch und der Endzeit. Ein Abend, der einerseits realistisch ist, gleichzeitig weite Assoziationsräume öffnet, mit Filmzitaten spielt. Und sich gegen Klischees stellt, auch klanglich: Marlis Petersen ist keine raumgreifende Titelheldin, dafür eine feinmotorische Textarbeiterin – die letztlich die großen Aufschwünge schuldig bleibt. Dafür, dass sie nicht untergeht, sorgt Kirill Petrenko mit dem Staatsorchester. Eine so zurückhaltende und doch intensive, in schier unzähligen Details fein schillernde, in den wenigen Aufschwüngen gefährlich scharfe „Salome“ ward selten gehört. th