Als die Oscars noch montags verliehen wurden, schwänzte Woody Allen – Nominierung hin oder her – regelmäßig das jährliche Branchen-Highlight. Er hatte Wichtigeres zu tun: Am Montag spielt Allen Klarinette in einer New Yorker Dixieland-Band. In seinem Meisterwerk „Manhattan“ zählt der vom Regisseur selbst gespielte Protagonist Louis Armstrongs „West End Blues“ zu den Dingen, die das Leben lebenswert machen.
Woody Allen hegt, wie auch die Soundtracks vieler seiner Filme belegen, eine leidenschaftliche Liebe zu den Anfängen des Jazz. Aber, wie das in der Liebe leider manchmal so ist: Sie wird nicht immer erwidert. Nach Allens Auftritt mit der Eddy Davis New Orleans Jazz Band in der Münchner Philharmonie ist klar: Klarinette spielen ist für Allen sicher ein schönes Hobby, zur Bühnenreife aber fehlt ein gutes Stück.
Allens Intonation als schlampig zu bezeichnen, ist im Grunde noch viel zu höflich. Es fiept und pfeift, seine Tonbildung changiert zwischen brüchig und quengelnd-schrill. Dass das museal-betulich vor sich hin swingende Nostalgiebähnle nicht entgleist, ist der leidlichen Kompetenz von Banjospieler Eddy Davis und der übrigen fünf Musiker zu verdanken, die das 100 Jahre alte Erbe nicht eben inspiriert, aber zumindest handwerklich solide verwalten. Musikalisch wäre diese Combo also ohne Allen besser dran.
Ökonomisch sieht’s natürlich genau andersrum aus: Ohne das fröhlich dilettierende Promizugpferd wären wohl nicht annähernd so viele Menschen bereit, bis zu 145 Euro für eine knappe Stunde Oldtime-Jazz (plus einen sehr großzügig bemessenen Zugabenteil) lockerzumachen. So aber: unfassbarer Jubel.