„S‘ ist mal bei mir so Sitte“

von Redaktion

PREMIERE  Das Immling Festival begann mit Johann Strauß’ „Fledermaus“

VON GABRIELE LUSTER

Orlowsky ist beim heurigen Festival auf Gut Immling ein exotischer Prinz, und er lädt zu einer Sause in die Sauna. Dort wärmt – „Nastrovje!“ – zunächst einmal der Wodka auf, bis beim wienerischen „Brüderlein und Schwesterlein“ dann doch der Schampus perlt… Von all den Gästen, die auf Saunabänken schwitzen, in Wannen und Zubern hocken oder in Abendrobe das amüsante Rache-Spiel in Johann Strauß’ „Fledermaus“ beobachten, hatten einige offensichtlich eine weite Anreise.

Acht Sängerinnen und Sänger  aus Namibia gesellen sich im Extra-Chor zu den Profis aus Georgien, um gemeinsam mit ihnen den großen Immlinger Stamm-Chor aus engagierten Laien zu unterstützen. Cornelia von Kerssenbrock, die musikalische Chefin in Immling, leitet seit drei Jahren auch ein Festival in Swakopmund und hat die jungen Afrikaner eingeladen. Offensichtlich fühlen sie sich nicht nur in der Wiener Operette (Premiere war vergangenen Sonntag), sondern auch im bayerischen Chiemgau wohl.

Wie die multiethnische Truppe insgesamt, die sich seit 23 Jahren auf dem idyllischen Hügel trifft, um unter Ludwig Baumanns Leitung Oper in die Reithalle zu zaubern. Heuer wieder dabei ist Nikolaus Hipp als Bühnenbildner. Mit wenigen Versatzstücken, wie einer geschwungenen Mini-Revuetreppe, verwandelt er die schmale Breitwandbühne ins Haus Eisenstein, die Orlowksy-Sauna oder das Gefängnis. Ein paar Hintergrundprojektionen sorgen für Stimmung: Sie überwölben mit gläserner Kuppel die Sauna und weiten bei Rosalindes Csárdás sogar den Blick in die Puszta. Das alles wirkt recht zeitlos – bis auf ein Porträt des Strauß-Namensvetters Franz-Josef im Gefängnis. Kostümbildnerin Wiebke Horn würzt Anzug, Frack und Abendkleid mit Alfreds blumigem Seidensakko zu roten Schuhen und Rosalindes Tüll-Rock in den ungarischen Nationalfarben.

Bestens aufgelegt singt und spielt sich das „Fledermaus“-Ensemble in diesem Ambiente durch Thomas Peters’ muntere Inszenierung, heftig animiert von Evan Alexis Christ am Pult des aufgekratzten Festival-Orchesters. Obwohl der Regisseur keinen der altgedienten Kalauer und Gags auslässt und – abgesehen von der Sauna – der Konvention frönt, stimmt das Tempo. Der Dirigent seinerseits heizt das musikalische Geschehen mit hektischer Gestik auf, nimmt dafür ein paar Wackelkontakte in Kauf,  lässt aber auch Luft fürs beschwipst-gefühlige „Duidu“. Wie so oft ist es die kesse Adele, die spontan die Herzen erobert. Jennifer Zein wirbelt als quirlige Kammerjungfer durch die Szene und lässt nicht nur in ihren Arien Silbertöne und Esprit aufblitzen. Kein Wunder, dass sich Hausherr Gabriel von Eisenstein, den Alexander Geller mit Charme und Stimme ausstattet, in die Verkleidete verguckt. Als seine flattrige Gattin Rosalinde bewährt sich Katja Bördner mit in der Höhe weich gerundetem Sopran. Victor Campos Leals Alfred schmachtet sie erfolgreich an, punktet er doch als Rollerfahrer mit Latin-Lover-Tenor-Schmelz. Geschmeidigkeit in Stimme und Spiel zeichnet den Dr. Falke von Gezim Berisha aus, der genüsslich die Fäden in seinem Ränkespiel zieht und damit Prinz Orlowsky alias Jina Choi zum klangschönen „S‘ ist mal bei mir so Sitte“-Bekenntnis und zuletzt sogar zum Lachen bringt.

Eingebunden in die Komödie ist natürlich auch Gefängnisdirektor Frank, dem Markus Nieminen seinen markanten Bariton leiht. Amtshilfe bekommt er vom Frosch. Uli Bauer ist ein herrlich kauziger Gefängniswärter und sticht extemporierend gezielt zu. Jubel.

Weitere Vorstellungen

am 12., 14., 21., 26. Juli sowie 3. und 8. August; Karten unter der Telefonnummer 08055 9034-0, E-Mail: tickets@immling.de

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