Besucher müssen – und dürfen – auf vieles gefasst sein im Bernrieder Buchheim Museum. Doch mit Tiger, Bär und Papa Löwe rechnet nicht zwangsläufig, wer das malerisch an den Starnberger See hingestreckte Haus betritt, das für seine Expressionisten berühmt ist und Süddeutschlands bedeutendste „Brücke“-Sammlung präsentiert.
Diesen Sommer aber sind es wirklich die allseits bekannten, so menschlich tierischen Gestalten des Kinderbuchautors Janosch, die – Tür an Tür mit Heckel, Pechstein oder Schmidt-Rottluff – in das Buchheim Museum locken. Die große Sonderausstellung „Janosch und seine glücklichen Kinder“ lässt vom morgigen Samstag an eintauchen in die wunderbare Welt des 1931 im oberschlesischen Hindenburg geborenen Horst Eckert, der sich vor 60 Jahren den Künstlernamen Janosch gegeben hat und seither mit seinen kauzigen Geschöpfen ganze Generationen von Kindern beseelt, berührt, getröstet hat. Natürlich ist diese Schau nicht in erster Linie eine Präsentation aufregender Einzelwerke. Sie will ein Gesamterlebnis sein, und zwar eines für die ganze Familie.
Museumsdirektor Daniel J. Schreiber hat die Ausstellung gemeinsam mit Irina Probost entwickelt, der Produzentin und Regisseurin aller Janosch-Filme für die Leinwand und fürs Fernsehen. Ihre Kino-Produktion „Oh, wie schön ist Panama“, 2006 in München mit einem riesigen, internationalen Team von Zeichnern realisiert, ist das Herzstück der Schau. Anhand des Original-Materials können kleine und große Besucher Schritt für Schritt und Szene für Szene nachvollziehen, wie ein Zeichentrickfilm entsteht: Wie aus den Entwürfen des Künstlers Filmfiguren wurden, wie also Tiger, Bär & Co. laufen und sprechen lernten – und wie viel Arbeit allein in den hunderten von Hand aquarellierten Hintergrundbildern steckt. Bildschirme zeigen die so entstandenen Filmsequenzen, und selbstverständlich sind die Ergebnisse auch in voller Länge zu sehen: außer „Oh, wie schön ist Panama“ etwa der Kino- film „Komm wir finden einen Schatz“ und – inmitten der originalen Hintergrundbilder – alle 26 Folgen der Fernsehserie „Papa Löwe“.
Allerlei Mobiliar und Requisiten machen die Ausstellung gemütlich. Im eigens nachgebauten Wohnhaus von Tiger und Bär können junge Besucher selbst Bilder malen, Figuren kneten und daraus Filme machen. Gezeigt wird auch, wie Janoschs Kinderbücher entstehen: Die Illustrationen aus „Panama“ hängen auf Höhe von Kinderaugen, im empfehlenswerten Audioguide lesen Probosts Tochter Sissi (10) und Schreibers Sohn Jon (8) das Buch vor.
An blauen Wänden lässt sich rundherum der „ganze Janosch“ kennenlernen. Zwar gab es keinen direkten Kontakt zu dem seit langem zurückgezogen auf Teneriffa lebenden Künstler, doch drei Leihgeber ermöglichten eine umfangreiche Retrospektive mit rund 160 originalen Aquarellen und Zeichnungen aus 60 Jahren – vom Pferd Valek (1959) über Kasper Mütze (1984) bis zu „Wondrak, der neue Superstar“, einer aktuellen Kolumne aus dem „Zeit-Magazin“. Janoschs liebevolle Figuren und lapidarer Witz zeigen, worauf es eigentlich ankommt im Leben: Freundschaft, Freiheit, Freude. Und das Buchheim Museum erfüllt seinen Beinamen gerade damit aufs Schönste: Museum der Phantasie.
Bis 3. November,
Di.-So. und an Feiertagen 10-18 Uhr; Am Hirschgarten 1,
82347 Bernried;
Katalog 12,50 Euro.
Eröffnung am morgigen Samstag ab 14 Uhr mit einem „Fest der Fantasie“; Telefon 08158/99 70 20. Weitere Informationen – etwa auch zu den Ferienangeboten – unter www.buchheimmuseum.de.