Fun, Fun, Fun

von Redaktion

Die Beach Boys um Mike Love lassen im Circus Krone eine Surf-Party steigen

VON CHRISTOPH ULRICH

Zur Zugabe gab’s eine Überraschung: The Beach Boys spielten „Rockaway Beach“, einen Song der Punkrock-Legenden Ramones. Dass sich die Westküsten-Surf-Sonnyboys vor den Ostküsten-Lederjacken-Rabauken verneigen, die ihrerseits bekennende Beach-Boys-Fans waren und viel Surfsound in ihren Hochgeschwindigkeitsrock legten, ist wahrlich eine kleine Sensation.

Es war aber auch die einzige Überraschung des Abends: Stattliche zweieinhalb Stunden inklusive Pause gab’s mehr als 40 Beach-Boys-Klassiker, Coverversionen von Songs befreundeter Bands und Solo-Stücke von Mike Love, dem mittlerweile 78-jährigen Leadsänger, im randvollen Circus Krone zu hören.

Vor zwei Jahren war Loves zweite Beach-Boys-Brigade das letzte Mal im Krone zu Gast. Beim Anblick der Pälmchen- und Surfbrett-Dekoration wähnte man sogar kurz, ein Déjà-vu zu erleben. Und doch unterschied sich die aktuelle Greatest-Hits-Tournee in Details von der vorangegangenen. Klar, die Hits wurden auch diesmal im Zweieinhalb-Minuten-Takt geliefert, und es ist immer wieder bemerkenswert, wie wenig „Surfin’ Safari“, „Wouldn’t it be nice“, „Surfin’ U.S.A.“, „Surfer Girl“, „409“, „I get around“ oder der Über-Hit „Good Vibrations“ von ihrer Strahlkraft verloren haben. Der Markenzeichen-Satzgesang – immer knallhart beisammen, cremig schmelzend und auf den Punkt – in Verbindung mit packenden Surfrock-Rhythmen vermag es immer noch, ein breites Grinsen aufs Gesicht zu zaubern.

Love, Bruce Johnston (der Brian Wilson ab 1965 bei Konzerten ersetzte), sein Sohn Christian Love, Jeffrey Foskett, Tim Bonhomme, John Cowsill, Keith Hubacher und Scott Totten sind Teile einer abgebrühten Live-Maschine. An den homogenen Sound der Ur-Beach-Boys werden sie natürlich nie herankommen, verflixt nah dran waren sie aber auch diesmal. Natürlich übertrat die Show mehrmals die Grenze zur Revue und artete in eine von Johnston dirigierte Dauer-Mitklatsch-Sause aus. Dennoch hat sich der Grundton geändert und aus einem von Mike Love moderierten Dia-Abend mit Musik wurde ein richtiges Konzert, bei dem die Musik im Vordergrund stand. So war die Stimmung schnell da, wo Mike Love sie haben wollte: ganz, ganz oben. Das Publikum war nach einer guten Viertelstunde von den Sitzen. In der Tat: Fun, Fun, Fun!

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