Chick Corea ein Chamäleon zu nennen, hieße die Wandlungsfähigkeit des Tieres zu überschätzen. Eine der wenigen Konstanten im mannigfaltigen Œuvre des 68-jährigen Star-Pianisten ist seine Liebe zur iberischen Halbinsel, ja, zu den Musikkulturen der spanischsprachigen Welt überhaupt. Daran knüpfte er nun mit seiner neunköpfigen Spanish Heart Band in der Münchner Philharmonie erfolgreich an. Dass er das Konzert mit einer Strawinsky-Bearbeitung eröffnet, die nahtlos ins Titelstück seines jüngsten Albums „Antidote“ übergeht, zeigt sowohl Coreas Bandbreite wie seinen Anspruch. Auch Jobims „Desafinado“ (als würdiger Tribut an den jüngst verstorbenen João Gilberto) und ein Stück von Paco de Lucia fügen sich hervorragend in die Eigenkompositionen ein. Solistisch verdienen sich Trompeter Michael Rodriguez und der fabelhafte Flamenco-Gitarrist Niño Josele die Bestnoten, die größten Beifallsstürme entfacht Nino de los Reyes mit furiosen Stepptanz-Einlagen. Ein so abwechslungsreicher wie unterhaltsamer Abend und unter Coreas vielen München-Gastspielen sicher eines der besten. run