Pragmatisch, praktisch, gut

von Redaktion

Ausstellung zum 100. Geburtstag von Wolfgang Wagner im Bayreuther Wagner Museum

VON MARKUS THIEL

Sogar der Stuhl ist zu sehen. Mit Armlehnen, rot gepolstert, kein Thron, sondern eher etwas Praktisches, so wie es der Prinzipal liebte. Am 28. August 2008 saß er darauf, als sich noch einmal der Vorhang hob im Bayreuther Festspielhaus nach einer „Parsifal“-Aufführung. Umringt von den Sängern lächelte Wolfgang Wagner weise ins tobende Auditorium. Es war sein letzter öffentlicher Auftritt, am 21. März 2010 starb der Komponisten-Enkel im Alter von 90 Jahren.

Er selbst hätte wohl unwirsch auf den Stuhl als Schaustück reagiert. Devotionalien, Reliquien, solches Denken war ihm fremd. Auch das spricht aus dieser Ausstellung im Bayreuther Richard Wagner Museum, die anlässlich des 100. Geburtstags von Wolfgang Wagner konzipiert wurde. Unterteilt ist sie ganz schlicht in Leben und Werk, und alles kommt zur Sprache. Oft sogar durch den Geehrten selbst, der in Videos präsent ist. Wer sich im abgedunkelten Raum des Museumsneubaus bewegt, wird eingelullt durch das weiche Oberfränkisch, durch mäandernde Sätze, die irgendwie doch immer zum schlüssigen Ende finden.

Mit Hitler sei er per du gewesen, sagt Wagner da einmal. Die Verbundenheit des Diktators mit der Komponistenfamilie, ihre unrühmliche Rolle im „Dritten Reich“, all das ist bekannt und wird thematisiert. Auch der Neustart 1951, der kein richtiger war, was aber an der wesentlich schillernderen, auch zwielichtigeren Figur Wieland Wagner lag. Wolfgang Wagner, da blieb er ganz praktisch, verlegte sich aufs Organisatorische. Und hinkte mit seinen Inszenierungen immer  dem Bruder hinterher: Auch das erfährt man aufs  Neue. Durch Bühnenbild-Modelle, Fotos und auch durch knappe, sehr erhellende, nie heldenverehrende Erläuterungstexte.

Wolfgang Wagner konnte gönnen und fördern. Nur durch ihn war eine ästhetische Öffnung Bayreuths von Götz Friedrich über Patrice Chéreau, Harry Kupfer bis hin zu Christoph Schlingensief möglich. Es gibt einige Kostüme, die das dokumentieren, dazu Bilder und Interview-Schnipsel, in denen etwa René Kollo, wahrlich kein Freund der Regie-Avantgarde, die Arbeit Chéreaus verteidigt. Das meiste dieser Ausstellung ist also bekannt, und doch hat dieses Wiederaufleben, diese stringente, nie ausufernde Zusammenschau etwas sehr Lohnenswertes. Was allerdings neu ist, das sind Bilder mit Wolfgang Wagner. Foto-Künstler Stefan Moses hat ihn ein paar Mal abgelichtet und einen anderen Prinzipal gezeigt. Einen Bonvivant, einen attraktiven, gewinnenden Mann, bei dem das hintergründige Mienenspiel, das Funkeln der Augen ins Grübeln bringt: Ob die oberfränkische Leutseligkeit doch nur Tarnung war?

Bis 3. November;

Di.-So. 10-17 Uhr, Juli und August täglich bis 18 Uhr, Eintritt: 8 Euro, Richard-Wagner-Straße 48.

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