„Albergo fatale“, das könnte auch eine Absteige sein. Kategorie unterirdisch, null bis minus ein Stern. Für Teofane, oströmische Kaisertochter und Urheberin des verzweifelt ausgestoßenen Begriffs, ist es eine Zustandsbeschreibung. Emotionale und intrigante Wirrnis, die hier jedoch beim Wort genommen wird: Händels „Ottone“ spielt bei den Innsbrucker Festwochen der Alten Musik tatsächlich im Hotelfoyer. Eine durchlässige Situation, die immer wieder neue Begegnungen ermöglicht, offene und versteckte.
Händels Rom-Drama feierte 1723 einen Uraufführungserfolg und wird seither gern gespielt – obgleich es eine Oper der lyrischen Innenschau ist und fast ohne spektakelnde Arien auskommt. Germanenkönig Ottone will mit Teofane sein Reich ausdehnen und stabilisieren. Das wird fast von Adelberto, Sohn des entthronten Herrschers Berengar, und dessen Witwe Gismonda durchkreuzt. Ottones Kusine Matilda ist wiederum mit Adelberto verlobt. Nach zweieinhalb Stunden (die Innsbrucker kürzten) steht dennoch das Happy End.
Traditionell wird eine der Festwochen-Opern mit den Teilnehmern des vorjährigen Cesti-Wettbewerbs besetzt. Da gibt es tatsächlich einige Entdeckungen, etwa Mariamielle Lamagat als Teofane mit ihrem sehr entwicklungsfähigen, sich frei und schön im Raum entfaltenden Sopran. Messozopranistin Marie Seidler singt einen herben Ottone, in dessen Klang sich – passend zur Handlung – immer mehr Weichspüler-Töne mischen. Fachkollegin Valentina Stadler, Ensemblemitglied am Gärtnerplatz, zeichnet auch vokal ein fein abgeschmecktes Bild der (nicht nur) intriganten Gismonda. Auch sonst durchweg exzellente Solisten. Herausragend ist aber die Accademia La Chimera unter Fabrizio Ventura. Trotz kleiner Besetzung erzielen die Musiker eine Fülle an Farben, Nuancen und spielen mit atmender, sinnlicher Phrasierung. Im Haus der Musik entfaltet das noch mehr Resonanz; wegen des Regens musste die Aufführung vom Innenhof der Theologischen Fakultät verlegt werden. Eine Einbuße ist das also nicht. Regisseurin Anna Magdalena Fitzi und Ausstatterin Bettina Munzer dröseln das komplexe Drama leidlich auf. Der zweite, nächtliche Teil beginnt wie ein surrealer Verwandter des vierten „Figaro“-Akts. Doch irgendwann kreist die Hotel-Chiffre um sich selbst. Egal: Diesen Sänger überlässt man sich nur zu gern.
Weitere Aufführung
heute; Tel. 0043/512/52 07 45 04; Informationen zum Programm der Festwochen: www.altemusik.at.