Metal-Party ab Sekunde eins

von Redaktion

Metallica entfachen Sturm auf der Bühne des ausverkauften Münchner Olympiastadions

VON WOLFGANG HAUSKRECHT

Metallica? War da nicht was? Ja, stimmt. Solange ist es nicht her, dass die US-Metaller München heimsuchten. Im April 2018 gaben James Hetfield & Co. in der Olympiahalle ein umjubeltes Konzert. Umjubelt schon deshalb, weil Metallica die Bühne in die Arenamitte verlegt hatten und sich so im Auge des Tornados befanden. Gestern krachte es eine Nummer größer im Olympiastadion. Ausverkauft? Na klar!

In der Mitte des Tornados tauchten Metallica diesmal nicht auf, dafür tobte auf der Bühne ein gewaltiger Sturm. Schon mit dem Opener „Hardwired“ ging es dahin. Metal-Party ab der ersten Sekunde. Warmlaufen? Nicht bei Metallica! Fantastisch die überdimensionalen Videovorhänge. Hetfield groß wie ein Jumbojet auch für die letzte Reihe im Metal-Cinemaxx! Mehr muss es nicht sein. Metallica brauchen keinen Schnickschnack, sie sind sich selbst genug – und den Fans auch.

Was Metallica ausmacht? Jeder hat da seine eigene Antwort. Besonders hübsch ist die des US-amerikanischen Philosophen William Irwin: Die Musik von Metallica handele immer von einem inneren Kampf, der einen zwinge, alles zu hinterfragen – ohne letzte Antworten geben zu müssen. „Als Professor versichere ich Ihnen, dass die Diskographie von Metallica eine ideale Einführung in die Philosophie liefert – und zwar sowohl in die Metaphysik als auch in die Erkenntnistheorie und die Ethik.“ Muss man nicht verstehen, klingt aber überzeugend.

Von der Setlist her war alles dabei, was der Fan begehrt. Reichlich Stücke vom überragenden neuen Album „Hardwired… to Self-Destruct“, aber auch die Klassiker, die Metallica Anfang der 90er-Jahre massentauglich machten: „Enter Sandman“, „The Unforgiven“ und natürlich die ewige Hymne „Nothing Else Matters“. Als kleines Extra für das Münchner Publikum gibt es dann auch noch der Spyder-Murphy-Gang- Klassiker „Schickeria“ in der Metallica-Version.

Und jetzt? Wahrscheinlich muss München wieder ein paar Jährchen warten, aber Schlagzeuger Lars Ulrich betont, ein Ende der Band sei nicht in Sicht. Rente mit Mitte 50 – unvorstellbar. Nimmt man Mick Jagger als Maßstab, warten noch viele gute Jahre auf die Metallica-Fans. Das ist ethisch wie metaphysisch eine beruhigende Erkenntnis.

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