„Nun will die Sonn‘ so hell aufgeh’n“

von Redaktion

SALZBURGER FESTSPIELE  Triumph für Okka von der Damerau, Daniel Barenboim und die Wiener Philharmoniker

VON MARKUS THIEL

Mit dem Papst von Berlin hat sie schon gearbeitet – auch wenn es „nur“ Beethovens Neunte unter dem ewigen Chef der dortigen Staatskapelle war. Doch nun wurde sie von Daniel Barenboim nach Salzburg geholt, für Mahlers „Kindertotenlieder“. Dazu findet man in Okka von der Dameraus Kalender unter anderem noch Termine als Brangäne in Cleveland (mit Franz Welser-Möst), als Ortrud in Stuttgart oder Fricka in Amsterdam. Es bleibt also dabei: Außerhalb Münchens wird ihr mehr zugetraut als am Heimathaus Bayerische Staatsoper. Das aktuelle Salzburger Festspielkonzert mit den Wiener Philharmonikern passt da gut ins Bild.

Prinzipiell gebietet Okka von der Damerau über eine ideale Mahler-Stimme. Man hörte einen großen Ambitus, einen musterhaften Lagen-Ausgleich, ein sattes, substanzreiches Timbre, auch eine stufenlos und unverspannt pegelbare Dynamik. Eine Interpretation, die sich – Christa Ludwig lässt grüßen – aus dem Klang entwickelt. Zu hören war aber auch (die Nervosität oder die gerade überstandene, zu Krücken zwingende Knie-Operation?) Befangenheit. Sehr lyrisch, sehr introspektiv startete Okka von der Damerau „Nun will die Sonn‘ so hell aufgeh’n“, um sich später nur ein paar Mal aus der Deckung zu wagen und die Stimme raumgreifend zu öffnen. Die bestürzende Thematik der „Kindertotenlieder“, da liegt sie richtig, verbietet Künsteln oder Auftrumpfen. Mehr Risiko, mehr Textarbeit wären ja im Wiederholungskonzert möglich.

Schwierig das alles, weil Barenboim mit den Wiener Philharmonikern fest entschlossen schien, diese als weltbestes Mahler-Orchester vorzuführen. Vor allem in der fünften Symphonie nach der Pause klappte es. Verblüffend war dies – und manchmal ungewöhnlich. Als ob Celibidache selig mit bedächtigen Tempi die Überfülle an Details aufdröselte, so klang der Kopfsatz. Überraschend Laszives arbeitete Barenboim im zweiten Satz heraus. Und das veredelte, hintergründige Volkstum im Scherzo spielt tatsächlich nur dieses Ensemble so. Keine melancholische Verbreiterung oder Tränendrüsiges im Adagietto, das Barenboim zügig, fast trotzig nahm.

Die einzelnen Sätze, das bleibt der einzige Einwand, unterschieden sich in den Tempi kaum, waren aus zu ähnlichem  Grundpuls organisiert. Und trotzdem: Ob grandiose Hörner-Gruppe, Solo-Trompete oder die Streicherfraktion in ihrer sehnigen, flexiblen Geschlossenheit – diese 75 Minuten waren eine Machtdemonstration. Im Finale, das andere Dirigenten als mehrfaches, irrsinniges (und vergebliches) Anstürmen auf einen nie richtig eingelösten Triumph inszenieren, gab Barenboim jedem dieser „Versuche“ einen Eigenwert. Mahler als ewiger Showstopper: So enervierend wurde das selten vorgeführt. Ovationen.

Weitere Aufführung

an diesem Samstag, 11 Uhr; Telefon 0043/662/8045-500.

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