„Ich lebe nicht im Gestern“

von Redaktion

Tänzerin, Sängerin und Schauspielerin Dagmar Koller feiert heute ihren 80. Geburtstag

VON KATRIN BASARAN

„Viel vor“ habe sie noch, erklärte Dagmar Koller jüngst, zum Beispiel mit dem Wohnmobil durch Amerika und Spanien düsen. Alter sei schließlich nur eine Zahl, und sie selbst körperlich fit. „Ich fühle mich noch jung.“ Und doch feiert die österreichische Schauspiel- und Operettenikone heute in Wien ihren 80. Geburtstag.

Unglücklich wäre sie, wenn niemand mehr sie erkennen würde, bekennt sie im Interview mit dem „Standard“. Nicht aus Eitelkeit, sondern weil sie für ihre Karriere so hart gearbeitet hat. Koller hat mit Stars wie Liz Taylor („Das Lächeln einer Sommernacht“, 1977) gedreht, kannte Marlon Brando und arbeitete mit TV-Lieblingen wie Hans Clarin. Bekannt und geliebt wurde sie aber vor allem als Tänzerin und Sängerin in zahlreichen Operetten und Musicals, „Wiener Blut“ zum Beispiel, „Die lustige Witwe“, „Hello, Dolly“, „Im weißen Rössl“, „My fair Lady“ und „Der Mann von La Mancha“.

1939 wurde sie in Klagenfurt geboren; der Vater, ein Lehrer und Maler, verließ die Familie früh, die Mutter brachte Dagmar und ihren älteren Bruder Sigmar nach dem Krieg als Dolmetscherin für die Alliierten durch. Mit gerade mal fünf Jahren entdeckte die kleine Dagmar ihre Leidenschaft fürs Tanzen und durfte die Kinderballettschule besuchen. In Wien studierte sie an der Akademie für darstellende Kunst, Tanz, Gesang und Schauspiel und erhielt bereits als 16-Jährige ihr erstes Engagement als Tänzerin an der Wiener Volksoper.

Ihr künstlerischer Durchbruch gelang ihr spätestens 1964 als chinesische Prinzessin Mi in Lehárs „Land des Lächelns“. Rolf Kutschera holte Koller ans Theater an der Wien. Zahlreiche Fernsehauftritte sorgten für wachsende Popularität. 1978 heiratete sie den damaligen Bürgermeister von Wien Helmut Zilk – und durchlebte an seiner Seite auch die schlimmste Zeit, als 1993 eine Briefbombe dem Politiker die Hand zerfetzte.

Seit  2016  ist  der Grafik-designer Michael Balgavy fester Begleiter der Künstlerin. Mit ihm hat „Dagi“, wie Freunde und Kollegen sie liebevoll nennen, ein Buch geschrieben: „Dranbleiben“ soll noch heuer erscheinen. Was der Titel für sie bedeutet? Dagmar Koller: „Meine Devise war immer Up-to-date-Sein. Ich lebe nicht im Gestern, sondern im Heute und in der Zukunft.“

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