Drei Flöten flirten mit zwei Trompeten, elektronische Klangerzeuger zanken sich mit der Streichersektion, das Schlagzeug tänzelt, ein Vibrafon mischt sich ein, eine Harfe versucht, sich gegen Holz- und Blechbläser zu behaupten. Was ist denn hier los? Das Andromeda Mega Express Orchestra öffnet in der Münchner Unterfahrt ein ganzes Nest voller musikalischer Überraschungseier. Meint man ein paar Takte lang, der Liebesheirat einer Bigband mit einem Kammerorchester beizuwohnen, denkt man kurz darauf: So könnte ein Film-Soundtrack geklungen haben, wenn sich Bernard Herrmann mit Frank Zappa zusammengetan hätte. Aber da haben die 17 Musiker längst einen neuen verblüffenden Haken geschlagen.
Natürlich fällt dieses alle Stilgrenzen sprengende Konglomerat in einem Jazzclub aus der Rolle. Aber bei musica viva wäre diese wirklich neu(artig)e Musik ebenso deplatziert. Die hochkomplexe, aber Hörvergnügen bereitende, im Gestus anarchische, in der Ausführung aber auf Präzision setzende Musik entsteht im Kopf von Daniel Glatzel; am Eröffnungsabend haben außerdem Bratschist Gregoire Simon und Saxofonist Johannes Schleiermacher je ein Stück beigesteuert. Glatzel, der selbst mit Klarinetten und Tenorsax mitmischt, fusioniert unterschiedliche Inspirationsquellen zu einer Art Meta-Musik. Nie zitiert oder paraphrasiert er; die Musik ist originell und gewitzt, ohne je witzig sein zu wollen. Glatzel, der aus München stammt, lebt in Berlin. Bloß gut, dass er uns ab und zu an seinen fantastisch-skurrilen Klangwelten teilhaben lässt. REINHOLD UNGER
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bis Samstag; 089/448 27 94.