Die Bauhaus-Hüpfburg

von Redaktion

Das Münchner Muffatwerk lädt in ein Zauberschloss, das auf die Besucher reagiert

VON SIMONE DATTENBERGER

München hat sich nicht gerade wie verrückt in die Feierlichkeiten zum Hundertsten der Bauhaus-Gründung gestürzt. Dafür haben aber Dietmar Lupfer, Leiter des Muffatwerks, und Computerexperte Chris Salter versucht, den Geist der munteren Reformschule einzufangen – und zwar für die Jetztzeit. „Sensefactory“ haben sie ihre begehbare Rauminstallation (25 auf 13 auf fünf Meter) genannt, die auf den ersten Blick wie eine mächtige Hüpfburg wirkt. Aber wie eine echte Burg hat sie Geheimgänge, Falltüren, tote Türen und überraschende Öffnungen. Es ist gewissermaßen des Magiers Klingsohr Irritations-, aber auch Kuschel-Reich. Und es wird Klein und Groß verzaubern – selbst wenn ihnen das Bauhaus schnurz ist.

Das Team – erweitert um Designer, Architekten Programmierer, Musiker und Geruch-Macherin (Erik Adigard, Sofian Audry, FM Einheit, Alex Schweder und Sissel Tolaas) – ließ sich nämlich von László Moholy-Nagys „Mechanischer Exzentrik“ inspirieren. Der gestrenge Bauhaus-Meister, der den esoterischen Johannes Itten ersetzte, experimentierte eben auch, freilich mehr auf einer konstruktivistischen Basis. Im Muffatwerk wird Moholy-Nagy (1895-1946) denn auch der Teppich ausgerollt. Eine rhythmisierte Farbzeichnung ist schwarz-weiß umgesetzt und läuft auf ein „Kirchenfenster“ zu: ein Video, das farbig mit Zeichnungen und Zeichen des gebürtigen Österreich-Ungarn spielt.

Neben diesem langen Läufer baut sich die große weiße, leicht pulsierende Burgmauer auf, ähnlich kissengekerbt wie die Fußballarena. Gemächlich fällt ein Kissen zusammen und lässt uns ein ins Labyrinth. Das reagiert auf seine Besucher, wie es sich für ein Zauberschloss oder die „Exzentrische Mechanik“ gehört. Sensoren nehmen unsere Bewegungen auf, und Künstliche Intelligenz reagiert darauf mit einem ständig variierenden Ausstoß an Lichtmenge, Farben, Klängen, atmenden Kissen und Fläzmatratzen, die obendrein nach Kräutern duften oder schweißig stinken.

Dieses Rundum-Sinnen-Erlebnis kommt umso besser zur Geltung, als es durch das „Totale Tanz Theater“ ergänzt wird. Das zitiert Otto Schlemmers „Triadisches Ballett“ – auch eine Mensch-Maschine-Idee – und versetzt es und uns per virtueller Wirklichkeit in ein Science-Fiction-Zauberschloss – raffiniert, aber ohne Sinnlichkeit.

Bis 8. September,

heute und Freitag ab 20 Uhr, Samstag ab 15 Uhr und Sonntag ab 11 Uhr; freier Eintritt.

Rahmenprogramm:

Das Totale Tanz Theater, Virtual-Reality-Installation: heute und Freitag ab 20 Uhr, Samstag ab 15 Uhr und Sonntag ab 11 Uhr. „Audio.Space.Machine“

von wittmann/zeitblom: heute und Freitag ab 20 Uhr, Samstag ab 15 Uhr und Sonntag ab 11 Uhr.

DJ Kate Simko, David Goldberg: am Freitag, 6.9., ab 22 Uhr im Ampere. Symposium: am Samstag, 7.9., ab 15 Uhr im Ampere.

Artikel 7 von 7