Flohwalzer rückwärts

von Redaktion

Alexander Kluge und Helge Schneider trafen im Münchner Literaturhaus aufeinander

VON BEATE KAYSER

Doch, sie passen wunderbar zusammen: Helge Schneider ist genau so ein Allrounder wie Alexander Kluge, der Autor, Filmemacher und Philosoph. Er schlägt im ausverkauften Münchner Literaturhaus einen eleganten Bogen „von Halberstadt nach Mülheim“ (beider Geburtsstädte) und nennt Helge seinen Co-Philosophen. Der, mit seinem kinderklugen Kopf, bleibt keine Antwort schuldig.

Die beiden kommen anstrengungslos von Kants „Ausgang“ (des Menschen nämlich aus seiner „selbst verschuldeten Unmündigkeit“ – die beste Definition der Aufklärung) auf den schlichten „Ausgang“ eines mündigen Zimmermädchens nach der Arbeit. Zum dritten Mal bestreiten Kluge & Helge einen gemeinsamen Abend, kommen vom Hölzchen aufs Stöckchen. Helge hat Trompete und Klavier dabei, Kluge seine pointierten Minutenfilme. Es gibt hintersinnige Dialoge und ganz besondere Geschichten: „Ich bin eine Leseratte“, sagt Schneider, „ich lese einfach alles – die Schilder in Oberhemden: ,Baumwolle, Größe 40‘ –, ich kann nicht anders“. Ein Abend, der das Hirn frei bläst. Wenn ein Duo die Begrenzung des Tellerrands nicht kennt, dann Kluge und Schneider. „Die Komik, Zweigstelle der Philosophie“ heißt dieser Abend, der in Verbindung zur gerade laufenden Alexander-Kluge-Ausstellung im Literaturhaus steht (noch bis 29. September).

Irgendwann hat Schneider, aufgefordert von Kluge, „Alle meine Entchen“ und den Flohwalzer vor- und rückwärts gespielt. Wenn er aber plötzlich ein paar Takte der Mondscheinsonate anschlägt, will man ihn dringend im Herkulessaal hören.

Artikel 4 von 8