Mit Leidenschaft

von Redaktion

INTERVIEW  Wolfgang Jahn über die Zukunft der Münchner Galerie Pfefferle

Es gibt eine Zukunft für die Galerie, die der Anfang des Jahres verstorbene Karl Pfefferle vor mehr als 35 Jahren in München gegründet hat. Der Landshuter Galerist Wolfgang Jahn übernimmt die Räume an der Reichenbachstraße und bespielt sie fortan unter dem neuen Namen Galerie Jahn Pfefferle. Wir  sprachen  mit  dem  58-Jährigen über seinen Start in München, über Schwierigkeiten des Kunstmarkts und über die Open Art, die am Freitag beginnt.

Bei einem unserer letzten Gespräche hat sich Karl Pfefferle skeptisch über die Zukunft von Galerien geäußert: Aus diversen Gründen sei das Geschäft härter geworden. Wie kunstnarrisch muss man also sein, um wie Sie zusätzlich eine Galerie zu übernehmen?

Herr Pfefferle hat sicher die Zeichen der Zeit erkannt – so hat es zuletzt etwa den Trend zu Mega-Galerien gegeben, die den Markt dominieren. Ich habe meine Galerie in Landshut seit den Neunzigern. Mit dieser Erfahrung denke ich, dass es sinnvoll ist, sich weiterzuentwickeln – ich sehe die Chance, auch künftig erfolgreich zu sein.

Wie kam es, dass Sie die Galerie Pfefferle nun weiterführen?

Durch den Künstler Bernd Zimmer, der von Karl Pfefferle, aber auch von uns in Landshut vertreten wurde. Durch ihn kamen wir ins Gespräch mit Karl Pfefferles Witwe, Bernadette Martial-Pfefferle. Wir hatten bis zu diesem Zeitpunkt nicht geplant, eine Dependance in München zu eröffnen.

War die Entscheidung das Ergebnis längeren Nachdenkens – oder haben Sie sofort gesagt: Wenn es die Chance gibt, greife ich zu?

Das war ein Prozess über zwei, drei Monate. Wir haben auch mit einigen Künstlern gesprochen. Denn trotz der Parallelitäten im Programm ist München eine Herausforderung mit neuen Möglichkeiten ergänzend zum bestehenden Standort in Landshut.

Wie erinnern Sie sich an Karl Pfefferle?

Ich empfand ihn als sehr, sehr umgänglichen Menschen, der sich unglaublich für seine Künstler ins Zeug gelegt hat. Es war beeindruckend zu sehen, wie er sich seit den Achtzigern für die „Jungen Wilden“ engagiert hat. Er hat zielorientiert umgesetzt, was ihm wichtig war. Und er verfügte über ein bewundernswertes Wissen!

Ist es da eher Ehre oder eine Bürde, seine Nachfolge anzutreten?

(Lacht.) Das ist schwer zu beantworten. Es ist eine tolle Sache, eine Galerie, die so gut etabliert war, fortführen zu können. Wir alle wissen nicht, was die Zukunft bringt – aber sie wird uns mit Sicherheit Freude bereiten.

Wie werden Sie das Haus künftig ausrichten?

Die Künstlerkontakte, die Herr Pfefferle über viele Jahre pflegte – zum Beispiel zu Bernd Zimmer, Duncan Swann, Paul Schwer oder Jiří Georg Dokoupil –, übernehmen wir. Neben diesem Stamm führe ich derzeit Gespräche mit Künstlern, die ich im Fokus habe, um zu sehen, ob sie bereit sind, den Weg mit uns zu gehen. So soll das Programm der Galerie erweitert werden, wobei die Achtzigerjahre und die „Jungen Wilden“ natürlich Schwerpunkt bleiben werden.

Sie haben mit der Galerie in Landshut einen starken Heimathafen. Worauf freuen Sie sich bei dem Schritt nach München?

In München treffen wir auf eine Klientel, bei der wir künstlerische Positionen vorstellen können, die es in Landshut vielleicht schwerer hätten. Außerdem ist die Aufmerksamkeit hier größer – nicht zuletzt durch die Kunstmessen. So werden wir auf der Highlights (16. bis 20. Oktober; Red.) die Tradition der Galerie Pfefferle fortsetzen. In München gibt es einfach viel mehr Möglichkeiten, uns und unsere Künstler dem Publikum zu präsentieren.

Aber ist nicht auch das Risiko größer, in den vielen (Kultur-)Angeboten unterzugehen?

Keine Frage, Landshut ist übersichtlicher – und die Galerie-Szene in München ist stark besetzt. Aber es macht Spaß, sich in diesem Umfeld präsentieren zu können. Schließlich hat sich die Galerie Pfefferle in den mehr als 35 Jahren ihres Bestehens eine gute Präsenz erarbeitet.

Sie eröffnen morgen mit Hubert Scheibl, einem „Neuen Wilden“ aus Österreich. Warum?

Er vertritt eine eher abstrakte Position der Achtzigerjahre. Ich finde es schön, mit einem neuen Künstler zu starten, der aber an das Programm der Galerie andockt. Die Folgeschau bestreitet Leif Trenkler, der ja seit Jahren zu den Pfefferle-Künstlern gehört. Das wird spannend.

Sie starten zur Open Art…

Diesen gemeinsamen Auftritt der Münchner Galerien finde ich sehr wichtig. So entsteht eine ganz andere Aufmerksamkeit – und wir erreichen auch Menschen, die sonst nicht so leicht ihren Fuß in eine Galerie setzen. Das tut uns allen gut. Ich bin sowieso ein Freund von Kooperationen und dem Zusammenarbeiten mit Kollegen. Gemeinsam ist viel mehr zu erreichen.

Die Open Art läuft nur ein Wochenende. Wie gelingt es einer Galerie, über ein ganzes Jahr auf sich aufmerksam zu machen?

Mit dieser Frage müssen sich im Kulturbetrieb alle auseinandersetzen. Wir haben die Chance, etwa durch die Teilnahme an Kunstmessen uns auch überregional einen Ruf zu erarbeiten. Voraussetzung ist ein vielfältiges Programm mit starken künstlerischen Positionen, die bei Sammlern, Kuratoren, aber auch bei jungen Menschen auf Interesse stoßen. Hier arbeiten wir gerade an Ideen fürs nächste Jahr.

Wann ist für Sie die Übernahme der Galerie ein Erfolg?

(Pause.) Alles, was ich mache, ist für mich ein Erfolg, wenn es eine entsprechende Resonanz aus meinem Umfeld gibt. Dabei geht es nicht nur um das Monetäre. Alle, die im Kunstsektor unterwegs sind, machen das, weil sie Spaß an der Sache haben, weil es ihre Leidenschaft ist. Das ist Voraussetzung, um bestehen zu können.

Das Gespräch führte Michael Schleicher.

„Hubert Scheibl – My Echoes, my Shadows and me“

läuft von 12. September bis 31. Oktober, Reichenbachstraße 47-49, Di.-Fr. 13-18 Uhr, Sa. 12-16 Uhr; Telefon 089/29 79 69.

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