30 Minuten Egozentrik

von Redaktion

Im Interview mit sich selbst: Keimeyers Performance in München

VON KATJA KRAFT

„Eine Sekunde, wir gehen live auf Instagram!“ Nein, nicht nur die Münchner Gäste sollen miterleben, was die Künstlerin Johanna Keimeyer am Freitagabend in der Münchner Galerie Benjamin Eck machte, und noch bis 19. September jeweils um 19.30 Uhr tut. Auch alle Freunde und Fans der gut vernetzten Berlinerin aus aller Welt können zuschauen, wenn sie mit ihrer Performance beginnt.

Sie setzt sich auf einen Stuhl, um sie herum Leinwände, die alle ihre Bewegungen zeigen. Von Kameras eingefangen. In einem Interview mit sich selbst stellt sie sich zuvor eingesprochenen Fragen. Etwa: „Was fühlst du? „Ja, was fühle ich? Ich frage mich, was das für ein Gesicht ist, das ich da sehe“, formuliert sie laut ihre Gedanken. Streckt die Zunge aus, hinterfragt „die Maske“, die sie aufgesetzt hat. Lädt dann alle ein, sich später selbst auf den Stuhl zu setzen und sich digital zigfach gespiegelt anzusehen. Das Unsichtbare sichtbar zu machen. „Ich möchte sehen, was in mir passiert.“

Die Performance soll ein Hinterfragen grundlegender menschlicher Werte sein. Dabei wird sie zum Sinnbild für unser ständiges Um-uns-Selbstkreisen. „Wen liebst du?“ – „Ich wünschte, ich würde mich selbst mehr lieben.“ „Wovor hast du Angst?“ – „Dass mich jeder hasst.“ Dazwischen die Anmerkung: „Ich hoffe, ich langweile euch nicht!“

Es stimmt ein bisschen niedergeschlagen, zuzuschauen. Diese Egozentrik vorgeführt zu bekommen. In knapp 30 Minuten Selbstinterview führt Keimeyer vor, woran unsere westliche Gesellschaft krankt.

Die Installation

ist bis 19. September täglich geöffnet von 19 bis 21 Uhr. Die tägliche Live Performance beginnt jeweils um 19.30 Uhr.

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