Nihilismus auf Speed

von Redaktion

Hervorragend (((((

Es gibt Alben, die schlagen einem mitten ins Gesicht. Eine Platte wie das Debüt von „Suicide“ etwa kann man nicht bequem konsumieren, man setzt sich ihr aus. Das Eröffnungslied „Ghost Rider“ tritt die Tür ein und galoppiert einfach über den Hörer hinweg – eine treibende Rhythmusspur aus Martin Revs elektronischem Bass, Alan Vega keucht dazu wie ein gehetzter Elvis: „America is killing its Youth.“ Es war 1977, die Musik des New Yorker Duos unerhört. Heute feiert man „Suicide“ als Vorväter von Elektro-Punk, Industrial und Synthiepop. Damals dachte man, man stehe vor einem Stahlwerk, in dem ein Rockabilly-Sender dudelt. Denn die Fünfziger-Einflüsse sind nicht zu überhören. „Johnny“ klingt wie Buddy Holly auf Speed, „Cheree“ sogar lieblich, mit Glockenspiel. Dennoch regiert hier frostiger Nihilismus – besonders im Zehn-Minuten-Monolith „Frankie Teardrop“, dem poetischen Tauchgang in die Seele eines Fabrikarbeiters. Jetzt wiederveröffentlicht.  lö

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