Gut, bis der nächste „Star Wars“-Streifen in den Kinos anläuft, dauert es noch ein paar Monate. Aber egal, wie die Skywalker-Saga im Dezember enden wird, beruhigt es doch zu wissen, dass Altmeister John Williams ein weiteres Mal mit an Bord sein wird. Er hat mit seiner Musik einen nicht unwesentlichen Teil zum Erfolg des Weltraum-Epos beigetragen. Und selbstverständlich durften Highlights des „Star Wars“-Soundtracks auch jetzt am Königsplatz nicht fehlen, auf dem Anne-Sophie Mutter bei ihrem Open-Air-Debüt in München der Kino-Legende Tribut zollte.
Williams selbst hatte für diese Gelegenheit einige seiner berühmtesten Melodien für den Geigen-Star adaptiert und mit zusätzlichen virtuosen Fingerübungen versehen, die Mutter allesamt souverän meisterte. Wie es sich gehört, erklangen zum Anfang aber erst einmal der ikonische Trommelwirbel und die 20th-Century-Fox-Fanfare, um das Publikum in die richtige Hollywood-Stimmung zu versetzen. Wunderbar ironisch inszeniert danach auch der erste Auftritt der Geigerin im schwarzen Sith-Lord-Mantel, unter dessen Kapuze zunächst eine Daisy-Ridley-Gedächtnisfrisur zum Vorschein kam, ehe für „Rey’s Theme“ das Lichtschwert gezückt wurde. Beziehungsweise ein neongrüner Geigenbogen, der nach dem kontrastreichen „Star Wars“-Block aber ebenso gewechselt wurde wie Mutters Outfit. Wobei sich unter die eleganten Designer-Roben auch ein Modell geschlichen hatte, das eher dem Fundus der „Muppet Show“ zu entstammen schien. Doch anders als oft in der Traumfabrik ging es hier ja nicht nur um die Optik, sondern vor allem um die Musik.
Mit David Newman am Dirigentenpult hatte der Star des Abends einen Partner zur Seite, der als Mitglied einer berühmten Dynastie von Filmkomponisten geradezu prädestiniert für diese Aufgabe schien. Dass das Programmheft in seiner Biografie „Star Trek“ mit „Krieg der Sterne“ übersetzte, dürfte bei Hardcore-Fans zwar für ein Hochschnellen des Pulses gesorgt haben, änderte aber nichts an Newmans Kompetenz und Stilsicherheit. War er doch einst unter Williams‘ Leitung noch selbst als Geiger beim Soundtrack zu „E.T.“ im Einsatz und hat mittlerweile selbst eine Oscar-Nominierung vorzuweisen.
Im Gegensatz zu anderen sonst im Cross-over-Bereich geigenden Kollegen, deren Namen man bei einem solchen Event vielleicht eher erwartet hätte, präsentierte Mutter unter dem Titel „Across the Stars“ zum Glück keinen bunten Häppchenabend nach dem Motto „schneller, höher, weiter“. Ihre umsichtig zusammengestellten Dreierblöcke, zwischen denen das Royal Philharmonic Orchestra immer wieder in opulentem Breitwandklang auftrumpfen durfte, folgten meist dem Aufbau eines klassischen Violinkonzerts. Mit vorwärtsdrängender Einleitung, elegischem Mittelteil und spektakulärem Finale. Und Williams’ Werkkatalog bot für diese kluge Taktik einiges an Abwechslung: von den blechgepanzerten Actionfilmmusiken der Achtziger bis hin zum „Devil’s Dance“ der „Hexen von Eastwick“, welcher dank Mutters feuriger Wiedergabe wohl selbst dem Teufelsgeiger Paganini Respekt abgetrotzt hätte. Ähnlich wie das zum großen Virtuosenstück erweiterte „Hedwig’s Theme“ aus „Harry Potter“.
Fast noch tiefer ins Gedächtnis gruben sich trotzdem Stücke wie die filigran zelebrierte „Geisha“ oder das in warmem Geigenton besonders berührende „Leia-Thema“. Und ganz so, als wollte Mutter hier mit allen Blockbustervorurteilen aufräumen, setzten auch die Zugaben eben nicht auf Effekt. Stattdessen erlebte man mit dem „Prayer for Peace“ aus Spielbergs „München“ und dem berühmten Thema aus „Schindlers Liste“ zwei weitere emotionale Höhepunkte dieses stimmigen Abends, ehe sich zum endgültigen Abschied dann doch noch einmal Indiana Jones unter Pauken und Trompeten hereinschwingen durfte.