Nach – wie wir berichteten – „starkem Start“ am Mittwoch legten die Münchner Philharmoniker und ihr Chef Valery Gergiev am Donnerstagabend im stellenweise schütter besetzten Gasteig nach: Bruckners Siebte, geprägt vom Tod Richard Wagners, stand auf dem Programm, das von dessen „Siegfried-Idyll“ eröffnet wurde.
Knapp resümiert: Den Wagner vorab hätte es nicht gebraucht. Denn trotz aller Verwandtschaft zum folgenden Bruckner blieb der Eindruck insgesamt etwas matt. Gergiev gelang es nicht durchweg, den seidenweichen Streicherfluss sinnstiftend zu strukturieren und die Spannung zu halten. Gerade der mittlere Teil zerfaserte ziemlich. Dennoch erfreute das Horn mit herrlichem Ruf.
Nicht nur die große Horn-Besetzung, sondern auch die Wagner-Tuben und das gesamte Blech krönten Bruckners 7. Symphonie, die Dirigent und Orchester so wunderbar aus dem Nichts entstehen und sich organisch entfalten ließen.
Die Münchner Philharmoniker sind ein großes Brucknerorchester, und mit diesem Pfund kann auch Gergiev wuchern. Wobei es ihm gelang, trotz der Abbrüche und des immer neuen Werdens in der Siebten die Spannung zu halten und den Gesamtaufbau mit der faszinierenden motivischen Arbeit überzeugend zu fügen. Die Philharmoniker punkteten mit der Intensität und Homogenität ihrer üppigen Streicher, dem Farbenreichtum des fein aufeinander abgestimmten Holzes und dem satten Blech samt markanter Pauke: Da weiteten sich die Steigerungen zu großartigen Klanggebilden und offenbarten die Meisterschaft ihres Schöpfers.
Bruckners Genie beflügelte Orchester und Dirigent sowohl in der melodischen Ausschöpfung des thematisch verwandten Materials wie in der klug ausbalancierten Klangarchitektur. Ergreifend gelang das Adagio, in dem kurz die Zeit stillstand. Großer Applaus. GABRIELE LUSTER