Zoff um die Zukunft

von Redaktion

Im Streit um geplante Entlassungen schlägt Haus-der-Kunst-Chef eine externe Schlichtung vor

VON KATJA KRAFT

Irgendeiner muss die Rolle des „Bad Guy“ spielen. Bernhard Spies hat sie im vergangenen Jahr freiwillig übernommen. Da trat er als Geschäftsführer des Hauses der Kunst an. Wie berichtet, kein Job mit Vergnügungssteuerpflicht. Die „Stiftung Haus der Kunst München gemeinnützige Betriebsgesellschaft mbH“ war in die Schlagzeilen geraten. Die Vorwürfe innerhalb der Kulturinstitution: zunehmender Einfluss von Scientologen; Mobbing und sexuelle Übergriffe; fehlerhafte Vergabepraxis – und hohe Schulden. Wie hoch, das habe auch ihn nach seinem Amtsantritt und genauerer Prüfung der Bücher überrascht, betont Spies am Freitagvormittag im Gespräch mit unserer Zeitung. Nach abermaligen Protesten der Belegschaft gegen Spies’ Einsparungspläne möchte der Chef die Wogen glätten. Inzwischen hat er dem Betriebsrat vorgeschlagen, einen externen Mediationsprozess anzustoßen.

Also nun seine Sicht der Dinge. Warum hält er an der Kündigung von 15 Mitarbeitern fest? „Weil die Verwaltungsgebühren einfach zu hoch sind.“ Bei den betroffenen Pförtnern, Aufsichten und Kassenkräften handelt es sich, wie berichtet, um Menschen, die unter zehn Stunden die Woche arbeiten; das zu organisieren, auch für sie die jährlich nötigen Schulungen zu bezahlen, sei schlichtweg zu teuer. 33 andere Mitarbeiter sollen an eine Fremdfirma ausgelagert werden.

Spies rechnet vor. 4,3 Millionen Euro erhält das Haus der Kunst jährlich vom bayerischen Staat. Eine Summe, mit der die laufenden Kosten gedeckt und eine Ausstellung pro Jahr gestemmt werden könne. Sofern man, wie von ihm angestoßen, den unnötig aufgeblähten Verwaltungsapparat ausdünne und bei der Belegschaft spare. Jeden Posten habe er im vergangenen Jahr kritisch geprüft. „Wir haben gegen die Insolvenz angekämpft“, sagt er. So habe sich der Schuldenberg von einer Million Euro im vergangenen Jahr in ein Plus von 50 000 Euro gewandelt. Auch, weil Spies sich entschied, zwei Ausstellungen abzusagen. Schweren Herzens, wie er betont. Jede Schau bringt zwar etwas ein, doch wie viel, das könne man nie genau abschätzen. „Bei der Ausstellung von El Anatsui haben wir alle nicht mit einem solchen Ansturm gerechnet. Der Besucher, das unbekannte Wesen. Mehr als doppelt so viele Gäste kamen wie von uns erwartet.“

Wie viel kostet denn so eine Ausstellung? Auch das variiere enorm. Bei „Postwar“, die von Oktober 2016 bis März 2017 lief, hätten die Kosten bei 4,5 Millionen Euro gelegen. „Das ist aber absolut extrem“, betont Spies. „Bei El Anatsui lagen wir auch wegen der aufwendig gestalteten Fassade unseres Hauses bei knapp einer Million Euro.“ Eine Ausstellung wie die mit Werken von Markus Lüpertz, die gerade läuft, verursache dann wieder geringere Aufwendungen. Viele Bilder, weniger kompliziert zu verpacken als die großen Installationen von El Anatsui. Oder die Schau von Miriam Cahn, eine Übernahme aus Bern. Geringe Transport- und Planungskosten. Das sei vergleichsweise günstig mit rund 250 000 Euro.

Noch bis März 2020 läuft der Vertrag von Bernhard Spies. Zwei Jahre „Bad Guy“ spielen, das war der Deal. „Ich habe bei meinem Amtsantritt gesagt, dass es wehtun wird, dass ich mich nicht beliebt machen werde.“ Doch frei nach Udo Lindenberg: Einer muss den Job ja machen…

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