Explosive Mischung

von Redaktion

Archive erneuern in der Philharmonie die Rockmusik

VON ZORAN GOJIC

Wie beschreibt man am besten, was die Damen und Herren von Archive treiben? Zunächst einmal ist es ein wenig wie bei Richard Wagner: Zwischen mitunter ohrenbetäubenden Klanggewittern schleichen sich immer mal wieder unwiderstehlich schöne Melodiebögen ein, die verhindern, dass man irgendwann doch fluchtartig den Saal verlässt. Zum anderen ist ein Archive-Konzert eine Art Performance, eine Aufführung der Stücke im Wortsinn.

Musikalisch ist es so, als hätte man die frühen Ultravox mit New Order und Placebo eingesperrt und dazu gebracht, miteinander zu musizieren. Beim Publikum in der sehr gut gefüllten Münchner Philharmonie jedenfalls sorgt die explosive Mischung aus rhythmischen Schleifen und sorgsam aufeinander geschichteten Klangmustern, die mitunter fast disparat daherkommen und sich dann doch zu einem Ganzen fügen, frühzeitig für Euphorie.

Es wäre auch schwierig, sich dem magnetischen Sog der fein konstruierten und doch kraftvollen Lieder der Briten zu entziehen. Die griffigen Melodien, die mächtigen Gitarren, die irritierenden Geräuschfetzen von den Keyboards – all das entwickelt eine erstaunliche Kraft, auch weil die Band das stringent als eine Performance begreift, die gewissermaßen durchrollt. Alles greift ineinander, wird verwoben und ist sogar dann stimmig, wenn mittendrin bei „Remains of Nothing“ ein bisschen gerappt wird – geht auch.

Seit einem Vierteljahrhundert bringt diese erstaunliche Formation Dinge zusammen, die vermeintlich nicht zusammengehen, und sorgt dafür, dass man die Hoffnung in die unablässige Erneuerung der Rockmusik nicht verliert. Alleine deswegen hätte sich der Abend gelohnt.

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